Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
419
Einzelbild herunterladen
 

419

Jacopo lächelte, aber mehr aus Spott als aus einem andernGefühle.

Wenn die erlauchten Senatoren hier gegenwärtig ihre Mas-ken abnehmen wollen, so kann ich diese Frage vielleicht mit größe-rer Zuversicht beantworten," sagte er.

Dein Verlangen ist verwegen und außer der Ordnung. Nie-mand kennt persönlich die Patricier, welche im Staate die letzte Ent-scheidung haben. Bekennst du dein Verbrechen?"

In diesem Augenblicke trat ein Officiant hastig herein, legteeine Schrift in die Hand des rothgckleideten Inquisitors und ent-fernte sich. Nach einer kleinen Pause befahl man den Wachen, mitdem Gefangenen abzutreten.

Hohe Senatoren," sagte Jacopo, indem er ernst an den Tischtrat, als wollte er den Augenblick benutzen, um dnrchzusctzen, waser zu fordern im Begriff stand.Gnade! Vcrstattct mir, einenGefangenen unter den Bleidächern zu besuchen! ich habe wichtigeGründe, dieß zu wünschen, und bitte euch als Menschen und Väter,es mir zu erlauben."

Das lebhafte Interesse der Zweie für die ebengebrachte Nach-richt, über welche sie seitwärts sich besprachen, verhinderte sie, aufsein Gesuch zu achten. Der dritte Inquisitor, Signor Soranzo,war der Lampe näher getreten, begierig, in den Zügen eines so be-rüchtigten Menschen zu forschen, und staunte seine auffallende Ge-sichtsbildung an. Gerührt durch den ergreifenden Ton seiner Redeund zum Wohlwollen gestimmt durch die Züge, welche er musterte,übernahm er die Verantwortlichkeit, allein den Wunsch des Ge-fangenen zu gewähren.

Erfüllt ihm, was er verlangt," sagte er zu den Hellebar-dieren,aber haltet ihn bereit wieder vorzutreten."

Jacopo dankte ihm durch einen Blick, aber in Besorgniß, daß dieAndern noch Plötzlich seinem Verlangen in den Weg treten möchten,verließ er eilig das Zimmer.

27