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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
412
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Macht als das höchste Ziel seiner Wünsche angesehen. TausendBilder von dem Guten, welches er stiften wollte, waren in seinemKopfe aufgestiegcn, und erst in späteren Jahren, als er das Trug-gewebe, welches auch den Bestmeinenden umspann, näher kennenlernte, konnte er sich von der Unausführbarkeit seiner Pläne überzeugen.Wie die Sache stand, trat er in den Rath mit Zweifeln und bösenAhnungen. Hätte er später gelebt, auch unter seinem eigenenSystem, aber in der Gestalt, wie es modificirt ward durch die mitder Erfindung der Buchdruckerkunst hervorgcrnfcne Bildung, sohätte wahrscheinlich Signor Soranzo eine edle Stelle in derOpposition eingenommen, bald eine Maßregel des Gemeinwohlseifrig unterstützend, bald mit Anstand den Anforderungen einerstrengeren Politik nachgcbend, beständig aber unter dem Einflüsseder positiven Vorzüge, die er durch seine Geburt besaß, wiewohlkaum sich selber bewußt, daß er nicht ganz das war, was er, seinerStellung nach, sein sollte. Gegenwärtig lag die Schuld wenigeran dem Patricier, als an den Umständen, welche, das Interesse derPflicht verfeindend, ein wohlwollendes Gemüth oft noch zu größererSchwachheit verlocken können.

Signor Soranzo's Kollegen fanden dessenungeachtet die Aufgabe,ihn vorzubereiten zu den Pflichten des Staatsmannes, welche sosehr von denen abwichen, die er als Mann zu üben gewohnt war,bei weitem schwieriger, als sie vermuthet hatten. Sie glichen zweigezähmten Elephanten des Ostens, ausgerüstet mit allen schönemAnlagen und vorzüglichen Eigenschaften des edlen Thieres, aberdurch eine, ihrem natürlichen Zustande ganz widerstrebende Gewalt,zu blos gehorsamen Geschöpfen herabgewürdigt, welche einen jün-gern Bruder, frisch von der Ebene eingefangcn, in die Mitte neh-men, um seinem Rüssel neue Dienste, ihm selbst neue Begierdenund etwa die Geschicklichkeit beizubringen, den Howdah eines Rajahmit Anstand zu tragen.

Mit mancherlei Anspielungen auf ihre Politik, aber ohne