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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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denn wenn alle Verwaltungszwcige der öffentlichen Meinung ver-antwortlich sind, so wird jene herkömmliche Moral, die Gesammt-ansicht der Gesellschaft, frei aus die Menge wirken können, ohne zueinem fürchterlichen Werkzeug des Verderbens zu werden, was immernothwendig der Fall ist, wo künstliche Einrichtungen ihrer Wirk-samkeit eine falsche Richtung geben.

Die Wahrheit des eben Gesagten beweist auch unser vorlie-gender Fall. Signor Soranzo war von Natur ein Mann vontrefflichem Charakter, und die freundliche Gestalt seiner Häuslichkeithatte seinen natürlichen Anlagen neue Stärke gegeben. Gleichandern Männern seines Standes und seiner Aussichten, hatte erdie Geschichte und politische Handlungsweise seiner sich so nennendenRepublik zu seinem Studium gemacht, und da ließen ihm die Größeder Gesammtinteressen und die scheinbare Nothwendigkeit Theorienannehmlich erscheinen, welche er, unter andern Umständen dargcbotcn,mit Abscheu znrückgewiesen haben würde. Und doch war SignorSoranzo noch weit davon entfernt, die ganze Wirkung des Systemszu kennen, zu dessen Stütze auch ihn die Geburt bestimmt hatte.Selbst Venedig zollte der öffentlichen Meinung die Huldigung, vonwelcher eben geredet worden, und hielt der Welt nur ein Trugbildseiner wahren Staatsmaximeu vor. Indessen gab es noch immer vieledarunter, die zu auffallend waren, um nicht hervorzutretcn, undeinem unbefleckten Gemüthe Widerwillen einzuflößen. Der jungeSenator suchte sich dabei ihren Zweck lieber selber zu verbergen;oder, wenn er bemerkte, wie ihr Einfluß sich auf Alles erstreckte,nur nicht auf die arme, vernachlässigte, abstrakte Tugend, derenLohn so fern lag, so suchte er sich irgend ein Palliativ vorzuspie-geln, oder einen scheinbaren und indirekten Nutzen zur Entschuldi-gung , daß er zu dem Allen stille schwieg.

In dieser Gemüthsstimmnng ward Signor Soranzo unerwarteterWeise Mitglied im Rath der Dreie. Oft in seinen Jugendtränmenhatte er den Besitz dieser, keiner Verantwortung unterworfenen