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etwas wie ein Verlangen, seine Gefühle zu prüfen, ehe sie offenermit der Nebung ihres Amtes hervortratcn.
„Um des gelobten St. Marcus willen, Signori, laßt die Ge-rechtigkeit frei walten in dieser Sache," fuhr das unbefangene Mit-glied der Drcie fort. „Auf welches Mitleid kann ein feiler BanditAnspruch machen? Und welche schönere Pflichten hätten wir zuüben, als die, ein öffentliches Beispiel strenger und unerläßlicherGerechtigkeit zu geben?"
Die alten Senatoren verbeugten sich, die Gesinnung ihresKollegen anerkennend, welche dieser mit der Hitze junger Erfahrungund der Freimüthigkeit eines aufrichtigen Gemüthes aussprach; denncs gibt eine feststehende Moral, der man herkömmlich huldigt, undihr wenigstens dem Schein nach «erstattet, auch auf den krümmstenWegen der Politik mit bcizuspielen.
„Vielleicht wird cs für zweckmäßig befunden, Signor Soranzo,der Gerechtigkeit diese Huldigung darzubringen," sprach der Aeltcre.„Hier sind eben in etlichen Löwenrachcn*) unterschiedliche Be-schwerden gegen den Neapolitaner Don Camillo Monsorte gefundenworden. Ich überlasse es eurer Weisheit, verehrte Kollegen, zuentscheiden, welche Beachtung sie verdienen."
„Wenn die Bosheit zu weit geht, so verräth sie sich selbst!"rief das neueste Mitglied der Inquisition. „Ich verbürg'e meinLeben, Signori, daß diese Anklagen von Privat-Verdruß herrührenund der Aufmerksamkeit des Staats völlig unwürdig sind. Ich binviel mit dem jungen Herrn von Sant' Agata zusammengcwesen: cswohnt kein ehrenwerthcrcr Mann unter uns."
„Doch hat er Absichten auf die Hand einer Erbin aus demalten Hause Tiepolo!"
„Ist es wohl ein Verbrechen für die Jugend, der Schönheit
Obgleich mau von diesen Behältern geheimer Anklagen in der Regel nur imSingular spricht, gab eS doch deren an allen vielbesuchten Plätzen Venedigs. DerLeser wird noch nicht vergessen haben, daß der geflügelte Löwe das Stammbild die-ser Republik war.