396
Jacopo lachte, aber dem Ohre seiner bestürzten Begleiterinschien der Ton seines Gelächters unnatürlich.
„Die Patricier sind gerecht, und was sie thun ist recht," sagteer; „sie sind erlauchte Männer und können sich nicht irren! Siewollen ihre Pflicht thun."
„Aber hier ist keine andere Pflicht, als die sie Gott und demVolke schuldig sind."
„Von der Pflicht des Volkes habe ich viel reden hören, nichtsaber von der des Senats."
„Nein, Carlo, wir wollen ihnen unsere Billigung nicht entziehen,wenn sie sich bemühen, die Bürger vor Schaden zu behüten. DieserJacopo ist ein Ungeheuer, den Alle verabscheuen, und seine Blut-thaten sind zu lange schon ein Flecken sür Venedig gewesen. Dusichest, daß die Patricier mit ihrem Gold nicht knausern, wenn Hoff-nung ist, seiner habhaft zu werden. Horch, sie ruscn wieder ans."
Die Trompete ertönte und die Proklamation wurde zwischenden Granitsäulcn der Piazetta wiederholt, ganz nahe dem Fenster,an welchem Gelsomina und ihr unbewegter Begleiter standen.
„Warum maskirst du dich, Carlo?" fragte sie, als der Beamtefertig war. „Es ist nicht Sitte, um diese Zeit maskirt zu sein imPalaste."
„Sie werden glauben, es ist der Doge, der sich schämo, seineeigene liberale Gerechtigkeit anzuhören, oder sie mögen mich auchfür einen von den Dreien selbst halten."
„Sie gehen über den Quai nach dem Zeughause. Da werdensie ein Boot nehmen nach dem Rialto, wie gewöhnlich geschieht."
„Und werden diesem fürchterlichen Jacopo Zeit lassen sich zuverstecken! Eure Richter sind geheimnißvoll, wo sie offen handelnsollten, und verfahren offen, wo Heimlichkeit noth thäte. Ich mußdich verlassen, Gelsomina. Gehe zurück zum Zimmer deines Vaters,und ich will durch den Hof des Palastes hinausgehen."
„Das geht nicht, Carlo — du kennst die Erlaubniß der