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Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Wie sind erstarrt die Glieder mein.
Von Arbeit nicht, von schnöder Ruh, -Die Beute krauser Kerkerbein;
Mich zählt mein Schicksal Denen zu,
Die, von der schönen Erd' und LustGetrennt, vergeh'« in öder Grust,
Gefangener von Chillon.
Als der nächste Morgen heraufdämmerte, war der Marcus-platz leer. Die Priester sangen noch ihre Todtemncssen bei des altenAntonio Leiche, und einige Fischer zauderten noch in der Kathedraleund in deren Nähe, nur halb überzeugt von der Art, wie ihrKamerad um das Leben gekommen sein sollte. Aber die Stadt,wie cs um diese Tageszeit gewöhnlich war, schien vollkommen ruhig,denn obgleich bei den Bewegungen der Aufrührer einige Bestürzungdie Kanäle durchflogen hatte, so war diese doch untergegangcn in jenerscheinbaren und mißtrauischen Stille, die mehr oder minder unvermeid-liche Folge eines Regierungsspstems ist, welches nicht im freiwilligenGehorsam der Menge die Grundlage und Stütze seines Bestehens hat.
Jacopo war wieder in dem oberen Stockwerk des Dogenpalastes,in Begleitung der sanften Gelsomina. Während sie durch die Windun-gen des Gebäudes hindurchgingen, erzählte er der begierig horchendenGefährtin alle einzelnen Umstände, die bei der Flucht der Liebendensich zugetragen; nur Giacomo Gradenigo's Anschlag aufDonCamillo'sLeben ließ er vorsichtigerweise aus. Das unerfahrene und einfacheMädchen hörte mit athemloser Aufmerksamkeit zu, während die Rötheihrer Wangen und das umherschweisende Auge ihre lebhafte Teil-nahme bei jedem Wendepunkt des kühnen Abenteuers verriethen.
„Und glaubst du, daß sie Denen droben noch entrinnen können?"flüsterte Gelsomina, denn nur Wenige in Venedig hätten es ge-