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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
381
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wollte nicht vor der verabredeten Zeit ankonunen, als ihm ein La-quai ein Zettclchen in die Hand steckte und sich davon machte, soschnell ihn die Beine tragen wollten. Wir haben schon früher ge-sehen, daß Jacopo nicht lesen konnte, denn man hielt Leute seinesStandes damals geflissentlich in der Unwissenheit. Er wendete sichdaher an den ersten Vorübergehenden, der ihm fähig schien, seinenWunsch zu erfüllen, und bat diesen um die Gefälligkeit, die Schrift-züge ihm zu erklären.

Er hatte seine Bitte an einen ehrlichen Krämer aus einementfernten Stadtviertel gerichtet. Der Mann nahm das Blatt undfing gutmüthig an, den Inhalt zu lesen:Ich bin abgerufen wor-den und kann dich nicht treffen, Jacopo!" Bei dem Namen Ja-copo ließ der Handelsmann das Blatt fallen und entfloh.

Der Bravo ging langsam wieder zurück nach dem Quai, überden widerwärtigen Zufall nachsinnend, der seine Pläne durchkreuzte.Da ward sein Arm berührt, und als er sich umdrehtc, stand eineMaske ihm gegenüber.

Du bist Jacopo Frontoni?" fragte der Fremde.

Der bin ich."

Deine Faust ist bereit, einem Anderen getreulich zu dienen,nicht wahr?"

Ich pflege Wort zu halten."

Ent, du wirst hundert Zechinen in diesem Beutel finden."

Wessen Leben verlangt Ihr für dieß Gold?" fragte Jacopomit gedämpfter Stimme.

Don Camillo Monforte's."

Don Camillo Monforte!"

Ja, kennst du den reichen Edelmann?"

Ihr bezeichnet ihn so gut, Signore, er würde seinem Barbiereben so viel für einen Aderlaß zahlen."

Führe deine That gut aus, so soll der Lohn verdoppeltwerden."