„Warum bist du maskirt? Solltest du Luigi seiu? Unmöglich."
„Es kommt wenig darauf au, ob ich Luigi, Enrico oder Giorgioheiße, ich bin dein Kunde, und mir ist das kleinste Härchen deinerAugenbrauen wcrth. Du weißt, Anniua, daß die jungen Patricierihre Späße haben, und sie lassen uns Gondeliere schwören, daß wir unsverborgen halten wollen, bis die Gefahr der Entdeckung vorüber ist.Wenn ein unberufenes Auge mir nachblickte, so könnte ich am Endedarüber befragt werden, wie ich die Frühstnndcn zugebracht hätte."
„Mich dünkt, dein Patricier hätte besser gethan, dir Gold zugeben und dich sogleich nach Hause zu schicken."
„Damit man mir nachkäme bis an meine Thüre, gleich einemverdächtigen Juden? Nein, nein, wenn mein Boot sich unter tau-send andere gemischt haben wird, dann wird es Zeit sein, mich zudemaskiren. Nun, willst du zur Bella Sorrcntina?"
„Es bedarf ja der Frage nicht, da du von selbst dahin fährst."
Der Gondclier lachte und nickte mit dem Kopfe, als wollte erseiner Gefährtin zu verstehen geben, daß er ihre geheimen Wünschekenne. Anniua war noch im Ucbcrlegcn, aus welche Weise sie ihnbewegen sollte, seine Absicht zu ändern, als die Gondel schon dieFelucke berührte.
„Wir wollen hinaufgehen und mit dem Padronc reden," flüsterteJacopo.
„Es wird nichts helfen. Er hat keinen Wein."
„ Trau' ihm nicht.—Ich kenne den Mann mit seinen Ausflüchten."
„Aber du vergissest meine Cousine."
„Sie ist ein unschuldiges Kind, ohne allen Argwohn."
Jocopo hob Anniua, während er sprach, auf das Verdeck desSorrentincr Schiffes, halb galant und halb gewaltsam; daraufspranger ihr nach. Ohne Zögern, ohne sie ihre Gedanken sammeln zulassen, führte er sie zur Treppe der Kajüte, und sie stieg hinunter,verwundert über sein Benehmen, aber fest entschlossen, ihre geheimenSünden gegen das Zollrecht nicht vor einem Fremden zu verrathen.