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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Und du schenkst diesem Mährchm Glauben, Gclsomina?" sagtesie, sich stellend, als ob sie ihrer Cousine Leichtgläubigkeit bedauerte.Diejenigen, welche den St. Marcus-Platz besuchen, wissen rechtgut, weß Geistes Kinder deine Tiepolo und ihre Gouvernante sind."

Hättest du nur die Schönheit und Unschuld der Dame ge-sehen, Annina, du würdest nicht so reden."

Gelobter Sau Theodor! Was ist schöner als das Laster! Esist das wohlfeilste Kunststück des Teufels, um schwache Sünder zubetrügen. Wenn dein Beichtvater dir das noch nicht gesagt hat,Gelsomina, so nimmt er es eben nicht so genau mit guten Sittenals der meinige."

Aber weßhalb sollte ein Frauenzimmer von solcher Lebensartsich in das Gcfängniß flüchten?"

Gewiß hatten sie alle Ursache, sich vor den Dalmatiern zufürchten. Aber ich kann dir mehr noch von Denen sagen, welchedu ausgenommen hast zur größten Gefahr deines eigenen Rufes.Es gibt Weiber in Venedig, die aus verschiedene Weise ihr Ge-schlecht vcrunehren, und diese, hauptsächlich die sogenannte Flo-rinde, sind berüchtigt wegen ihres Geschäfts, den Staat um seineEinkünfte zu bringen. Sie hat von dem Neapolitaner ein Geschenkan Weinen bekommen, die auf seinen calabrischcn Bergen wachsen,und da sie meine Ehrlichkeit zu verführen wünschte, so bot sie mirdas Getränk an und bildete sich ein, daß eine Person wie ich ihrePflicht vergessen und den Staat betrügen würde."

Das läßt sich schwer glauben, Annina."

Weßhalb sollte ich dich täuschen? Sind wir nicht Schwester-kinder, und obschon meine Geschäfte auf dem Lido mich deiner Ge-sellschaft viel entziehen, herrscht nicht natürliche Liebe zwischen uns?Ich führte Klage bei der Obrigkeit, auf die Weine ward Beschlaggelegt, und die angeblich adeligen Damen mußten sich eben heuteverstecken. Man glaubt, sic wollen mit ihrem liederlichen Neapoli-taner aus der Stadt fliehen. Genöthigt, Zuflucht zu suchen, habenDer Bravo. 24