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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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denn thcils gekränktes Gefühl, theils Erstaunen drohten, sie desNthems zn berauben.

Du hier?" fügte sie hinzu, kaum wissend, was sie sagte.

Du hier?" nahm Annina dasselbe Wort aus, mit demGelächter der Gefallenen, wenn sie die Unschuld zu ihrer eigenenNiedrigkeit herabgesunkcn glauben.

Was mich betrifft, so führte Mitleid mich hierher."

Santa Maria! da haben wir ja Beide gleichen Zweck!"

Annina! ich weiß nicht, was du sagen willst! Ist denn dichder Palast Don Camillo Monforte's eines edlen Neapolitaners,der auf einen Sitz im Senat Anspruch macht?"

Der galanteste, hübscheste, reichste und unbeständigste Kavalierin Venedig. Wärst du schon tausendmal hier gewesen, du könntestnicht besser unterrichtet sein."

Gclsomina hörte schaudernd diese Worte. Ihre schlaue Cousine,welche ihren Charakter so vollkommen kannte, als nur immer dasLaster die Unschuld kennen kann, beobachtete ihre farblosen Wangenund ihre sich zusammenziehenden Augen mit geheimem Triumphe.Im ersten Augenblick hatte sie Alles, weis sie zu verstehen gegeben,wirklich geglaubt, aber eine zweite Erwägung und der Anblick dersichtlichen Angst, in welche das erschreckte Mädchen gestürzt war,gaben ihrem Argwohn eine neue Richtung.

Aber ich sage dir ja nichts Neues," fuhr sie schnell fort.Es thut mir nur leid, daß du mich findest, wo du ohne Zweifelden Herzog von St. Agata selber anzutrcffen erwartetest."

Annina! das von dir!"

Du kamst doch gewiß nicht nach seinem Palaftc, um deineCousine aufzusuchen!"

Gelsomina war mit dem Kummer lange vertraut gewesen, hatteaber nie bis diesen Augenblick die tiefe Demüthigung der Schandegefühlt, Thränen brachen aus ihren Augen, und unfähig, sich auf-recht zu halten, sank sie in einen Sessel.