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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
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Dieß ist nicht der Augenblick, Jemanden abzuweisen. Laßdie Fremde hinaus!"

Gino zögerte nicht länger. Mit der Entschiedenheit einesLieblingsdieners drängte er den Kammerdiener bei Seite, und erbotsich, Gelsomina selber zu seinem Herrn zu führen. Als sic hinaus-gingen, entfernten sich Dreie von den untern Bedienten.

Don Camillos Palast hatte einen Anstrich von mehr alsvenctianischer Düsterkeit. Die Zimmer waren spärlich erleuchtet,viele Wände waren ihrer kostbarsten Gemälde beraubt, und auchin anderer Beziehung konnte ein aufmerksames Auge Spuren vonder Absicht des Eigenthümcrs, hier nicht für immer wohnen zubleiben, wahrnehmen. Diese Umstände bemerkte aber Gelsominanicht, als sie dem Gondelier durch die Gemächer bis in die innernTheile des Hauses folgte. Hier schloß der Gondelier eine Thürauf, und seine Begleiterin mit einem halb zweifelhaften, halb ehr-furchtsvollen Blick betrachtend, nöthigte er sie durch ein Zeichen,einzutretcn.

Mein Gebieter," sagte er,empfängt Damen gewöhnlichhier. Belieben Excellenz einzutrcten, während ich gehe, ihm seinGlück zu melden."

Gelsomina that entschlossen, obgleich es ihr gewaltig ans dasHerz fiel, als sie hinter sich den Schlüssel im Schlosse drehen hörte.Sie befand sich in einem Vorzimmer, und da das Licht, welchesdurch die Thür eines anstoßenden Gemaches fiel, sie schließen ließ,daß sie weiter gehen sollte, so trat sie hinein. Hier sah sie sichplötzlich einem andern Frauenzimmer gegenüber.

Annina!" rief das unerfahrene Mädchen vom Gefängnisse imersten Erstaunen.

Gelsomina! ei, die einfache, stille, halblaute, sittsame Gelso-mina!" entgegncte die Andere.

Annina's Worte ließen nur eine Auslegung zu. Verwundet,gleich einer zerdrückten Sinnpflanze, nahm Gelsomina die Maske ab,