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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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schlauen Senatoren wollen mit den Gelübden meines Zöglings um-springen , als wären es kindische Schwüre, und werden den Zorndes heiligen Stuhls selber heransfordern, wenn cs ihr Interesse gilt."

Aber das Sacrament der Ehe ist nichts Menschliches. Davorwerden sie wenigstens Achtung haben."

Glaube das nicht. Keine Verpflichtung ist so heilig, daß sieAchtung davor haben sollten, wenn ihre Politik auf dem Spielesteht. Was sind die Neigungen eines Mädchens, was ist das Glückeiner verlassenen, hilflosen Frau gegen ihren Vortheil? Daß meinZögling jung ist, führt Jene wohl zu dem Gedanken, mit ihrerWeisheit ihr bciznstchcn, nicht aber zu dem, daß das Elend, welchessie ihr bereiten wollen, um so länger dauern wird. Die heiligeVerpflichtung der Dankbarkeit bringen sic nicht in Anschlag. DieBande der Zuneigung sind ihnen blos Mittel, um ihre Unterthanenin Furcht zu setzen. Nichts wissen sie von Nachsicht. Die Hinge-bung weiblicher Liebe verspotten sic als eine Narrheit, an der mansich bei Muße crlustigt, um die Schärfe des Ungemachs in wichti-geren Angelegenheiten abznstnmpfen."

Kann es etwas Wichtigeres geben, Signora, als die Ehe?"

Sic ist auch für sie wichtig, als das Mittel, ihre Auszeichnungenund ihre stolzen Namen fortznpflanzcn. Sonst aber kümmern sichdie Räthe nicht viel um häusliche Angelegenheiten."

Sind sic doch Väter und Gatten!"

O ja, weil sie, um mit Recht das Ersterc sein zu können,zuvor das Letztere werden müssen. Die Ehe ist für sie nicht einBand heiliger und theurer Verwandtschaft, sondern ein Mittel, ihreReichthümcr zu vermehren und ihren Namen zu erhalten." So sagtedie Gouvernante, und beobachtete die Wirkung ihrer Rede anf dcm Ge-sicht desnnvcrstellten Mädchens.Heirathen ans Liebe nennen sie Kin-derspiel, und handeln mit den Neigungen ihrer eigenen Töchter wie mitihren Maaren. Wenn ein Staat einmal ein goldenes Idol als seinenGott ausstellt, so werden Wenige sich weigern, ihm zu opfern!"