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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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es noch erfahren, daß die Zeit im Leben kommt, wo alle deineHoffnungen sich in einem Andern vereinigen werden."

Gelsomina zitterte nicht mehr und ihr sanftes Auge glänzte.

Der Staatsrath ist fürchterlich," erwiederte sie,aber es mußnoch fürchterlicher sein, Den zu verlassen, dem man Pflicht undLiebe am Altäre gelobt hat."

Hast du Mittel, uns zu verstecken, gutes Mädchen?" unter-brach sie Donna Florinde,und kannst du uns, wenn dieser Tumultvorüber sein wird, irgendwie zu ferner Verborgenheit oder zurFlucht verhelfen?"

Nein, Signora. Sogar Venedigs Straßen und Platze sindmir beinahe fremd. O heiligste Maria! Was gäbe ich darum, wennich die Wege der Stadt so gut wüßte als meine Cousine Annina,die, wenn cs ihr nur bchagt, von ihres Vaters Laden bis nachdem Lido geht, und vom Marcusplatz zum Rialto, ganz wie esihr gefällt. Ich will nach meiner Cousine schicken, die wird unsrathen in dieser schrecklichen Noth."

Deine Cousine! Hast du eine Cousine, die Annina heißt?"

Annina, Signora, meiner Mutter Schwesterkind."

Die Tochter des Weinhändlcrs Tommaso Tosti?"

Gedenken die edlen Damen der Stadt so Derer, die geringersind? Das wird meine Cousine erfreuen, denn sie hat cs gern,wenn die Vornehmen sie auszeichnen."

Und kommt deine Cousine hierher?"

Selten, Signora! Wir sind nicht sehr vertraut mit einander.Ich meine, Annina achtet mich einfaches, ungelehrtes Mädchen zugering für ihre Gesellschaft. Aber sie wird uns ihren Beistand insolcher Gefahr nicht versagen. Ich weiß, sie hält nicht viel von derRepublik, denn ich habe sie vom deren Angelegenheiten reden hören,kühner als für ein Mädchen ihres Alters sich geziemt, und in diesemGesängniß."