Wege, hinter Geheimnisse zu kommen, gibt es in diesem Hause, dieich noch nicht kenne. Tretet tieser in die Wohnung ein, edle Da-men, hier ist ein Ort, der, wie ich Ursache habe zu glauben, auchvor Lauschern sicher ist."
Des Hauswarts Tochter ging voran in das kleine Gemach,wo sie sich mit Jacopo zu unterhalten pflegte.
„Ihr sagtet, Signora, daß ich Gefühl hätte für die Schwächeund Hilflosigkeit unseres Geschlechtes, und darin laßt Ihr mirGerechtigkeit widerfahren."
Violetta hatte Muße, eineu Augenblick nachzudenken, währendsie aus dem einen Zimmer in das andere ging, und sie fing an,ihre Mittheilungen mit mehr Behutsamkeit zu machen. Aber derlebhafte Anthcil, den ein Wesen von so freundlicher Natur und soabgesonderter Lebensweise als Gelsomina an der Erzählung nahm,gab ihrer natürlichen Offenherzigkeit den Sieg) und auf eine ihrselbst fast unbewußte Weise setzte sie des Hauswarts Tochter vonbeinahe den meisten Umständen in Kenntniß, welche sie bis in dasGefängniß geführt hatten.
Gclsomina's Wangen wurden farblos, während sie zuhörte,und als Violetta geendet hatte, zitterte sie an allen Gliedern ihreszarten Körpers vor Theilnahme.
„Es ist furchtbar, sich der Macht des Senats zu widersetzen,"sagte sie leise, daß es kaum zu hören war. „Habt Ihr bedacht,Signora, was Eure That für Folgen haben kann?"
„Wenn auch nicht, so ist es jetzt doch zu spät, mein Vorhabenzu ändern. Ich bin des Herzog von St. Agata Weib, und kannnie eines Andern Gattin werden."
„Jesus! das ist wahr!— Und doch, ich glaube, ich möchtelieber im Kloster sterben, als den Rath gegen mich ausbringen."
„Du weißt nicht, gutes Mädchen, welches Muthes auch einjunges Weib fähig ist. Du hängst noch an deinem Vater, in derUnterweisung und Gewohnheit des kindlichen Alters, aber du kannst