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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Du wirst bald anders darüber denken. Du bist jung, Gelso-mina, und hast wohl dein Leben in Zurückgezogenheit zugcbracht?"

Ja, Signora. Ich gehe selten weiter als in meiner Mutter-Stube oder in die Zelle eines kranken Gefangenen."

Violetta sah ihre Gouvernante an, als wollte sie sagen, daßsie sich wohl schwerlich einem Mädchen würde verständlich machenkönnen, die den Gefühlen der Welt so wenig zugänglich wäre.

So wirst du freilich nicht begreifen, daß eine Frau von Adelwenig Lust haben mag, sich dem Verlangen des Senats zu fügen,wenn er über ihre Pflichten und Neigungen gebieten will."

Gelsomina sah die schöne Rcdnerin starr an, aber es warsichtlich, daß sie die Frage nicht recht begriff. Violetta sah wiederdie Gouvernante an, als wolle sie diese zu Hilfe rufen.

Die Pflichten unseres Geschlechtes sind oft schwer," sagteDonna Florinde, denn sie verstand durch ihren weiblichen TaktVioletta's Begehren.Unsere Anhänglichkeit trifft nicht immer mitden Wünschen unserer Freunde zusammen. Wir haben die Wahlnicht, aber wir können nicht immer gehorchen."

Ich habe gehört, daß die Damen von Adel Diejenigen, mitdenen sie verhcirathet werden sollen, nicht sehen dürfen, Signora;wenn cs dieß ist, was Ew. Excellenz meinen. Mir hat diese Sitteimmer ungerecht, oder vielmehr grausam geschienen."

Und ist es Frauen deines Standes erlaubt, sich Freunde zuerwerben, von denen Einer ihnen dereinst theuer werden kann?"fragte Violetta hastig.

Signora, so viel Freiheit haben wir auch im Gefängniß."

O, dann bist du glücklicher, als die in Palästen wohnen!Ich will dir vertrauen, edles Mädchen, denn du wirst die Schwache,Bedrängte, die deines Geschlechtes ist, nicht verrathen."

Gelsomina hob ihre Hand auf, als wollte sie dem ungestümenZutrauen ihres Gastes Einhalt thun, und horchte aufmerksam.

Wenige kommen hieher," sagte sie dann,aber mancherlei