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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
349
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Erbin und ergriff die Hand des artigen Mädchens, indem sie dieseFrage that.

Gelobet sei die heilige Jungfrau, daß ich dieß Glück habe."

Es ist ein Glück. Denn gewiß, ein Vater würde nicht dasHerz haben, sein Kind dem Ehrgeiz und gewinnsüchtigen Hoffnun-gen aufzuopfern. Und deine Mutter?"

Ist schon seit langer Zeit bettlägerig. Ich glaube, wir hät-ten sonst nicht hier zu sein brauchen; bei ihren Leiden aber paßtkein anderer Ort so gut für sie, als dieses Gefängniß."

Gelsomina, du bist glücklicher als ich, selbst in deinem Ge-fängniß. Ich habe keinen Vater, keine Mutter, säst muß ich sagen,keinen Freund."

Und dieß das Schicksal einer Dame aus dem HauseTiepolo!"

Es ist nicht Alles wie cs scheint in dieser argen Welt, guteGelsomina! Wir haben viele Dogen in der Familie gehabt, aberauch viele Leiden. Du hast vielleicht gehört, daß von derselbennichts mehr übrig ist, als ein einziges Mädchen, jung wie du,. dieder Obhut des Senats anvertraut ist?"

Es wird in Venedig wenig von diesen Sachen gesprochen,Signora, und von Allen geht Niemand so selten aus den Platz alsich. Doch von der Schönheit und dem Reichthum der DonnaVioletta habe ich wohl gehört. Das Letztere, hoff' ich, wird wahrsein, das Erstere seh' ich jetzt selber."

Die junge Tiepolo wurde ihrerseits roth, aber freilich nichtaus verletztem Gefühl.

Sie sagen zu viel Gutes aus Mitleid für die arme Waise,"erwiederte sie,obschon dieser unglückselige Reichthum vielleicht nichtüberschätzt wird. Du weißt, daß der Staat sich's angelegen seinläßt, alle Frauen von Adel, die vaterlos sind, zu hüten und unter-zubringen. "

Nein, Signora. Das ist aber schön von St. Marco."