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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Unbescheidenheit gekränkt habe, so schreibe dieß Anerbieten einzigunserer Furcht vor der Schande zu, hier gesehen zu werden."

Das Mädchen erglühte noch mehr und ihre Lippen bebten.

Ist es denn eine Schande, unschuldig hier zu wohnen, Sig-nora?" fragte sie mit abgewcndetcm Auge.Ich habe das langegeargwöhnt, aberich habe cs bishernoch von Niemanden sagen gehört!"

Heilige Maria, verzeihe mir! Wenn ich eine Sylbe ausge-sprochen habe, die dich kränken kann, treffliches Mädchen, so ist esunwissentlich und ungern geschehen."

Wir sind arm, Signora, und der Bedürftige muß sich ge-fallen lassen, auch das zu thun, was seinen Wünschen entgegen ist.Ich verstehe Eure Meinung und will dafür sorgen, daß Ihr ver-borgen bleiben sollt; mög' Euch die heilige Jungfrau eine größereSünde verzeihen, als Ihr begangen habt."

Während die Damen verwundert waren über solche Beweisevon Zartgefühl und Empfindung an diesem eigenthümlichen Ort,entfernte sich das Mädchen.

Das hätte ich nicht erwartet in einem Kerker!" rief Violetta.

Wie nicht Alles edel und gehörig ist in einem Palast, so istauch nicht Alles zu verwerfen, was in einem Kerker vorkommt.Aber dieß ist fürwahr ein außerordentliches Mädchen für ihrenStand, und wir müssen dem gelobten S. Theodor (sie bekreuzte sich)danken, daß er sic uns in den Weg geführt hat."

Können wir Besseres thun, als sie zu unserer Vertrauten undFreundin machen?"

Die Gouvernante war älter und weniger geneigt, als ihr Zög-ling , auf den- Schein hin zu trauen. Aber das feurigere Gemüthund der höhere Stand der Letzteren hatten ihr einen Einfluß gege-ben, dem Florinde nicht immer glücklich widerstand. Gclsominakam zurück, ehe es Zeit war zu überlegen, ob Violetta's Vorhabenauch der Klugheit gemäß wäre.

Du hast einen Vater, Gelsomina?" fragte die venetianische