347
Tiepolo war, so würde ich mich noch mehr becifert haben, dennes sind wenige dieses berühmten Namens übrig, uns Ehre zn er-weisen. "
Violett« verneigte sich wegen dieser Artigkeit, aber sie schienunruhig, daß Uebereilung und Adelstolz sie verleitet hatten, sich znverrathen.
„Kannst du uns an einen minder öffentlichen Platz führen?"fragte sie, als sie bemerkte, daß ihre Führerin in einem freienGange stehen geblieben war, um ihre Erklärung zu geben.
„Hier werdet ihr so zurückgezogen sein, wie in euren eigenenPalästen, hohe Damen!" erwiederte Gelsolmina, indem sie in einenScitengang einbog und die Fremden den Wohnzimmern zuführte,von denen aus sie zuvor die Verlegenheit ihrer Gäste am Fenstersitzend bemerkt hatte. „Hier kommt Niemand ohne Ursach' her,außer meinem Vater und mir, und mein Vater ist mit seinemDienste sehr beschäftigt."
„Hast du keinen Dienstboten?"
„Nein, Signora! Eines Hauswarts Tochter darf nicht zu stolzsein, um sich selbst zn bedienen."
„Du hast recht. Ein so feinfühlendes Mädchen, wie du, Gel-somina, wird einsehen, daß es für Frauen von Stande nicht gezie-mend ist, in ein Haus wie dieses, wenn auch nur durch Zufall zugerathen, und du wirst uns einen großen Gefallen erweisen, wenndu mehr als gewöhnliche Vorkehrung triffst, daß man uns hiernicht sehe. Wir machen dir viel Mühe, aber sie soll nicht unbe-lohnt bleiben. Nimm dieß Gold."
Gelsomina antwortete nicht, aber als sie mit niedergesenktenAugen da stand, stahl sich eine Röthe in ihre Wangen, daß ihrzuvor bleiches Gesicht saust erglühte.
„Nein, ich habe dich verkannt," sagte Donna Florinde, indemsie die Zcchinen wieder cinsteckte, und ergriff die Hand des Mädchens,welche es schweigend geschehen ließ. „Wenn ich dich durch meine