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der Brücke, welche über den Kanal St. Marco führt, noch immerin voller Flucht begriffen. Ein paar Matrosen sahen von ihrenFelucken aus neugierig zu, aber zwei erschreckte Frauenzimmer, dievor dem Pöbel flohen, waren nichts so gar Auffallendes.
In diesem Augenblick erschien eine Masse dunkler Gestalten,welche sich von der andern Seite her dem Quai entlang bewegten.Waffen blitzten im Mondlicht und man fand den abgemessenenTritt bewaffneter Männer. Es waren die Dalmaticr, deren Truppvom Zeughause heranrücktc. Vorwärts und rückwärts schien jetztden athemloscn Frauen die Flucht gleich unmöglich. Da Entschlos-senheit und Besonnenheit sehr verschiedene Tugenden sind, dachteDonna Violetta nicht so schnell, als die Umstände erfordert hätten,daran, daß die Micthssoldatcn der Republik höchst wahrscheinlichihre Flucht für etwas sehr Natürliches halten würden, so gut alsdie neugierigen Gaffer im Hafen.
Aber der Schreck raubte den Flüchtlingen die Besinnung. Siedachten an nichts als an einen Zufluchtsort, und würden selbst dasGerichtszimmer dazu erwählt haben, wäre Gelegenheit dazu ge-wesen. Sie wendeten sich um und eilten in die erste und in derThat einzige offene Thüre, welche sich darbot. Es trat ihnen einMädchen entgegen, in deren ängstlichen Zügen jene sonderbareMischung von Hingebung und Angst sich malte, welche ihren Grundwahrscheinlich im Drange weiblichen Mitgefühls hat.
„Hier ist Sicherheit, edle Damen," sagte die junge Venctia-nerin, mit der auf ihren Inseln herrschenden sanften Aussprache.„Keiner wird euch innerhalb dieser Mauern zu verletzen wagen!"
„In welchem Palaste befinden wir uns?" fragte die fast athem-lose Violetta. „Wenn der Besitzer einen Namen hat in Venedig,wird er einer Tochter vom Geschlecht Ticpolo die Gastfreundschaftnicht versagen."
„Ihr seid willkommen, Signora," cntgegnete das freundlicheMädchen, sich tief verneigend, und führte sie noch weiter in das