Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

344

nähme, daß es ohne seine Strafe blieb. Nicht so Violetta. Sic warimmer schneller bereit zum Thun als zum Ucberlegen, und obgleichin den meisten Fällen wohl die besonneren Gemüther im Vortheilsein mögen, so gibt cs doch auch hiervon Ausnahmen. Der gegen-wärtige Augenblick war eine von den Lagen des Lebens, wo esimmer besser ist, irgend Etwas, als gar nichts zu thun.

Kaum hatte Donna Violetta gesprochen, so war ihre Gestaltim Schatten unter den Bogengängen des Broglio. Ihre Gouver-nannte hielt sich dicht an ihrer Seite, mehr aus Liebe zu ihr alsaus Willfährigkeit gegen den Rath des Mönchs oder das Gebotihrer eigenen Vernunft. Ein unbestimmter, abenteuerlicher Gcdauke,sich dem Dogen, der ein Seitcnverwandtcr ihres eigenen alten Hau-ses war, zu Füßen zu werfen, stieg in der jungen Braut anfänglichaus; aber kaum hatten sie den Palast erreicht, so belehrte sie einGeschrei vom Hofraume her über dessen Lage und die Unmöglichkeitin das Innere einzudringcn.

Wir wollen uns durch die Straßen nach deiner Wohnungzurückziehen, Kind," sagte Donna Florinde, mit weiblichem Anstandsich in ihren Mantel hüllend.Niemand wird Frauen unseresStandes beleidigen. Auch der Senat muß am Ende doch unserGeschlecht respektiren."

Das von dir, Florinde! Du, die so oft vor seinem Zorngezittert hat! Aber geh', wenn du willst. Ich gehöre dem Senatenicht länger. Don Camillo Monforte hat meine Treue."

Donna Florinde war nicht Willens, diesen Punkt zu bestreiten,und da der Augenblick gekommen war, wo Geistcsstärke zum Führenberechtigte, so unterwarf sie sich still dem Willen ihres Zöglings.Donna Violetta hielt sich immer im Schatten der Arkaden. Alsdie Flüchtlinge bei dem Thorc vorbeikamen, welches auf der See-seite liegt, konnten sie einen Blick auf die Scene im Hofe werfen.Der Anblick dieses Schauspiels beschleunigte ihre Schritte; sie liefennicht, sie flogen die Bogenhalle entlang. Bald befanden sie sich auf