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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Aber ein dumpfes, brausendes Rauschen erscholl vom Hofe des.herzog-lichcn Palastes, ähnlich dem Gesumme eiues aufgcftörtcn Bienen-schwarms. Kein Laut war deutlich zu vernehmen.

Man hat Gewaltthaten vor," sagte die Gouvernante wiederumflüsternd.Wollte Gott, Vater Anselmo wäre hier."

Ein vorsichtiger Fußtritt ließ sich hören, und Beide, sich um-kehrend, sahen einen Knaben, der Kleidung nach von den Lagunen,welcher aus der Gegend des Broglio her sich näherte.

Ein ehrwürdiger Karmeliter hat mir dieß für Euch gegeben,"sagte der Bursche, verstohlen umherblickend, als fürchte er, entdecktzu werden. Dann legte er in Donna Floriudc's Hand ein Strcif-chen Papier, und seine eigene gebräunte Hand, in welcher eine kleineSilbermünze blitzte, dem Mondlichte zukehrend, verschwand er.

Mit Hilfe desselben Lichtes gelang es der Gouvernante, dieZüge einer Hand zu entziffern, die ihr in jüngeren Tagen wohlbekannt gewesen war:Rette dich, Florindc. Kein Augenblick istzu verlieren. Vermeide öffentliche Plätze und suche schnell einenZufluchtsort.""

Aber wohin?" fragte die Bestürzte, nachdem sie den Zettellaut gelesen.

Ucberall, nur nicht hier," sagte Donna Violetta,kommmit mir!"

Die Natur ersetzt oft durch ihre Gaben allein mehr als hin-länglich die Vortheile, welche Erziehung und Erfahrung gewähren.Hätte Donna Florinde die natürliche Festigkeit und Entschiedenheitihres Zöglings besessen, so würde sie nicht in dem einsamen Verhält-nisse gelebt haben, welches der weiblichen Natur wenig entspricht,und Vater Anselmo wäre kein Mönch geworden. Beide hatten ihreLiebe dem zum Opfer gebracht, was sie für ihre Pflicht hielten,und wie das unangemessene Lebensverhältniß der Gouvernante auseinem dem Sturm der Leidenschaften unzugänglichen Gemüthe her-vorging, so vermuthlich aus gleich ehrenwcrther Quelle auch die Aus-