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Treppe bewachte, fühlte kaum Kraft genug in sich, die Miene vonFestigkeit zu behaupten, welche ihm Disciplin und Soldatenstolzauserlegten. Sonst war keine militärische Macht herbeigeschafft,denn die Staatsgewalt Venedigs kannte ihr Unvermögen im drän-genden Augenblicke zu gut, um zu reizen, wo sie nicht bezwingenkonnte. Der Haufe unten bestand aus unbekannten Widerspenstigen,deren Bestrafung zu nichts weiter führen konnte, als zu augenblick-licher Dämpfung der Gefahr. Jndest auch hiezu nicht einmal wa-ren die Häupter der Republik vorbereitet.
Der Rath der Dreie hatte Kunde von der Ankunft der em-pörten Fischer, und hielt, als der Haufe in den Hof drang, einegeheime Berathung, ob sich vermuthen ließe, daß der Aufstand be-deutungsvoller fein könnte, als der Augenschein zunächst lehrte.Der Kreisgang der Amtstätigkeit hatte die Männer, welche derLeser schon kennen gelernt hat, ihrer gefährlichen despotischen Ge-walt noch nicht beraubt.
„Hat mau die Dalmatier in Kenntniß gesetzt von diesem Auf-ruhr?" fragte ein Mitglied des geheimen Tribunals, dessen Nerven-starke seiner hohen Stellung nicht zu entsprechen schien. „Wir könntenihrer Kugeln bedürfen, ehe diese Empörung gedämpft sein wird."
„Was das betrifft, Signore, setzt Euer Vertrauen nur aufdie gewöhnlichen Autoritäten," erwiederte der Senator Gradenigo.„Ich besorge jedoch, daß hier blos die Ankündigung einer noch ver-borgenen Verschwörung sei, in welcher auch die Treue des Militärsverwickelt sein könnte."
„Die bösen Leidenschaften des Menschen kennen keinen Zügel.Was wollen die Elenden? Für einen Staat, dessen Glanz abnimmt,ist Venedig glücklich genug. Unser Seehandel gedeiht, die Bankhat Segen an tüchtigen Dividenden. Und ich versichere ench,Signori, seit vielen Jahren habe ich nicht so bedeutenden Gewinnin allen Zweigen unserer Verwaltung bemerkt, als heutzutage.Alle freilich können nicht zugleich Vortheil haben."