nothwendig einem Untergange cntgegcngehe. Im menschlichen Daseingibt es eine Periode, in der das Lebcnsprincip mit der Schwachheitdes Kindesaltcrs zu kämpfen hat, ist aber der Prüsnngszustand vor-über, so tritt der Mensch in dasjenige Alter, welches die wahrschein-lichste Aussicht auf längeres Leben darbietet. Mit der Staatsmaschineist es eben so, ist sie'erst lange genug im Gange gewesen, um ihreBrauck-barkcit zu bekunden, so darf man mit ziemlicher Zuverlässig-keit aus ihre fernere Dauer rechnen. Daß ein Jüngling das Greifen-alter erreichen werde, ist freilich nur eine Wahrscheinlichkeit, daßaber der Greis das Jünglingsalter schon hinter sich habe, ist eineGewißheit. Das chinesische Reich stand einst in derselben Jugend-blüthe, in welcher gegenwärtig unser Freistaat Prangt, wenn manaber an seiner jetzigen, dem Alter natürlichen Hinfälligkeit schließenwollte, daß es uns überdauern werde, so beginge man einen offen-baren Fehlschuß.
Zur Zeit unserer Erzählung wußte Venedig sich viel um seinAlter, und war in gleichem Maaße um sein Ende besorgt. ESzeigte allerdings noch Kraft in seinen Maßregeln, nur litten siean dem wesentlichen Jrrthnm, daß sie nur zum Besten der Wenigenentworfen waren; den mimischen Festungen in einem Drama ähn-lich, verschwand ihre scheinbare Stärke bei einer etwas hellerenBeleuchtung. Der Schreck, welcher die Patricier erfüllte, als siedas Geschrei der Fischer hörten, während sie auf ihrem Wege nachdem großen Platze bei den Reihen von Palästen vorüberfuhrcn,läßt sich leicht denken. Einige fürchteten, das letzte Ende ihrerkünstlichen Existenz, das ein geheimer politischer Instinkt sie längstvoraussehcn ließ, sei nun endlich gekommen, und dachten schon anMittel zu ihrer persönlichen Sicherheit. Andere im Gegenthcilgaben erstaunte Zuhörer ab; denn trotz der inneren Erschlaffunghatten sie sich doch gewöhnt, an eine Identität zu glauben zwischendem Staat und weit dauerhafteren Dingen; daß jener wirklich imVerfall begriffen sei, konnten sich diese abgestumpften Seelen nicht