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Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Ein Clifford, ein Clifford! wir svlgen dem König und Clifford.
Heinrich VI.
Durch einen plötzlichen Ausruhr von Unzufriedenen kann auchdie Ruhe des wohlgeordnetsten Staates zu jeder Zeit unterbrochenwerden. Gegen ein solches Unglück lassen sich eben so wenig Vor-kehrungen treffen, als gegen die Ausübung der gewöhnlicheren Ver-brechen. Wenn aber eine Regierung bei jeder Volksbewegung fürihr Dasein zittern muß, so darf man mit Recht schließen, daß ihreZusammensetzung nichts tauge. Sind die Einrichtungen in einemLande wohlthatig, so werden sie von seinen Bewohnern gewiß nichtminder eifrig verthcidigt, als jedes andere ihnen theuere Gut; dahergibt es kein zuverlässigeres Zeichen, daß jene Einrichtungen werthlosseien, als wenn jeder Hauch der Menge den Herrschenden ernstlicheBesorgnisse einflößt. In keinem Staate hat sich bei inneren Unruhendieses Symptom politischer Krankheit unverkennbarer gezeigt als inder vorgeblichen Republik von Venedig, deren erkünsteltes Gebäubeständig den Einsturz drohte, und nur durch die Wachsamkeit derAristokratie und die künstlichen Stützen, die sie ersann, zusammen-gehalten wurde. Alles, was von dem ehrwürdigen Charakter dervenetianischen Politik und von der Sicherheit, welche die Republikgewähre, gesagt wurde, war Erfindung der Selbstsucht, hält nichtStich gegen das Licht der Wahrheit; wie denn überhaupt von allenTrugschlüssen, die der Mensch erfunden, um seine schlechten Mittelzu beschönigen, keiner leichter zu widerlegen ist, als der, welcher vonder Länge der Zeit, die ein Staatssystem gedauert hat, auf dessenGüte und künftige Fortdauer schließt. Eben so vernünftig wärecs, zu behaupten, daß ein Greis von Siebzig dieselbe Wahrschein-lichkeit auf ein längeres Lebensalter habe, als ein Jüngling vonSiebzehn, oder zu läugnen, daß Alles, was sterblichen Ursprungs ist,