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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Einen Augenblick zauderten Don Camillo's Leute, neugierig dasSchauspiel anstaunend, dann aber überzeugten sie sich von der Noth-wendigkeit, Platz zu machen; denn die Masse von Booten kam wieein wüthender Strom herangcflutet, da die Fischer ihre Fahrzeugemit jenem Ungestüm regierten, der so häufig an italienischen Ru-derern bcmcrklich ist. Allein jetzt erscholl der drohende Befehl zuhalten, und Don Camillo sah ein, daß zwischen offenbarer Fluchtund Gehorsam keine Wahl übrig blieb; er wählte das Letztere, alsam wenigsten seinem Plane entgegen.

Wer bist du?" fragte Einer, der die Nolle eines Anführersübernommen hatte.Seid ihr Lagunenleute und Christen, sostoßt zu euren Freunden, und vorwärts nach St. Marcus, Gerech-tigkeit zu fordern!"

Was bedeutet dieser Aufruhr?" fragte Don Camillo, dessenKleidung seinen Rang verbarg, und der des venetianischen Dialektsmächtig genug war, um sich durch die Sprache nicht zu verrathen.Warum seid ihr in solcher Anzahl versammelt, Freunde?"

Schau' her!"

Don Camillo wendete sich hin, und erblickte die blassen Zügeund offenen Augen des alten Antonio, starr vom Tode. HundertStimmen zugleich erzählten ihm den Hergang, aber so verwirrt undmit so vielen bitteren Verwünschungen vermischt, daß, wenn ernicht schon durch Jacopo vom Ganzen unterrichtet gewesen wäre,er nichts daraus hätte entnehmen können.

Antonio's Leiche hatten die Leute beim Fischen gefunden, dienächste Folge war eine Berathung über die muthmaßliche Art, wieec zu seinem Tode gekommen sein möchte, dann rotteten sie sich inimmer größerer Anzahl zusammen, was den eben beschriebenen Auf-tritt herbeiführte.

Gerechtigkeit!" schrie es aus fünfzig Kehlen, wie das grimmeAntlitz des Todten im Mondenlicht schimmerte;Gerechtigkeit imPalaste und Brod für das Volk!"