317
das Ansehen von Leuten, die ermüdet oder eben nicht sonderlicheilig sind. Der am Ruder, ein Virtuose in seinem Fach, leitetedas Boot blos mit der einen Hand, während seine drei Gehilfenihre Ruder müssig das Wasser nur bestreichen ließen, nur dann undwann mit einem Schlage nachhelfend. So ungefähr nahm sich einFahrzeug aus, wenn es ans seinem Rückwege von einem Ausflug ausdie Brenta oder nach einer der etwas entfernter gelegenen Inseln war.
Aber Plötzlich schwenkte die mehr schwimmende als geruderteGondel aus der Mitte des Fahrwegs, und im Nu war sie in einemder am wenigsten belebten Kanäle. Schneller und regelmäßigerging es jetzt vorwärts nach einem Stadttheile hin, den nur Leuteder untersten Klasse bewohnten. An der Seite eines Magazinsward angchalten, und Einer von der Mannschaft erstieg die Brücke,während die klebrigen wie zum Ausruhen sich aus ihre Ruderbänkehinwarfcn. Der an's Land Gestiegene wand sich durch einige kleineDurchgänge, wie sie in Venedig so zahlreich sind, und klopfte end-lich an einem Fenster an. Bald ward ausgemacht, und eine weib-liche Stimme fragte, wer draußen sei.
„Ich bin's, Annina," erwiedcrte Gino, der ohnehin kein sel-tener Supplikant an dieser Hinterthüre war. „Mach' nur auf,Mädchen, mein Geschäft hat große Eile."
Annina versicherte sich erst, ob ihr Bewerber auch allein sei,und that dann, was er verlangte.
„Du kommst aber recht ungelegen, Gino," hob die Wein-händlerstochter an; „eben wollte ich nach dem Marcusplatze, umdie Abendluft zu genießen. Vater und Brüder sind schon fort, ichwollte nur noch die Thüren verschließen."
„Konnte ihre Gondel nicht noch eine vierte Person fassen?"
„Sie haben den Fußweg genommen."
„Und du getraust dir zu dieser Stunde allein auf den Straßenzu gehen, Annina?"
„Was hast denn du darnach zu fragen?" erwiederte sie schnip-