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„Gold und ich, wir sind uns fast fremd. Die Republik hatmir die Last aufgebürdet, den ehrwürdigen Gefangenen vom Er-trag meiner Arbeit zu ernähren."
„Ich besitze nur wenig, wie dir bekannt ist, Carlo," sagteGelsomina halblaut, „doch gehört es dir. Daß mein Vater nichtreich ist, kannst du begreifen; sonst würde er nicht von den LeidenAnderer leben und die Schlüssel zu ihren Gefängnissen bewahren."
„Sein Geschäft ist besser als das Derjenigen, die ihm diesePflicht anferlegten. Hätt' ich die Wahl, ob ich lieber die gehörnteMütze tragen, den Festen in ihren Hallen beiwohnen, in ihrenPalästen leben, das glänzende Spielwerk ihrer Prachtgelage, wiedes gestrigen, vorstellen, in ihren Gerichtshöfen Ränke mitschmieden,und einer der herzlosen Richter, die ihre Mitmenschen zum Elendverdammen, sein — oder der bloße Aufbewahrer der Schlüssel undSchließer sein wollte — so würde ich freudig das letztere Amtergreifen, nicht nur als das unschuldigere, sondern auch als dasbei weitem ehrenvollere!"
„Du urtheilst nicht wie die Welt urtheilt. Ich fürchtete, duwürdest dich schämen, eines Gefangenwärters Tochter zum Weibezu nehmen; ja, ich mag dir es nicht länger verbergen, da du nunso ruhig sprichst: — ich habe gemeint, daß es so sein müsse."
„Dann hast du weder die Welt, noch mich begriffen. Wäredein Vater beim Senat oder unter dem Gerichtshof der Drei-männer (wenn man überhaupt je erfahren könnte, wer zu dieserfurchtbaren Dreizahl gehöre), dann hättest du Ursache zum Gram.Doch, Gelsomina, die Kanäle werden dunkel, ich muß fort."
Das zögernde Mädchen sah die Wahrheit seiner Worte ein,drehte den Schlüssel und öffnete die Thüre der bedeckten Brücke.Einige Windungen und eine kurze Treppe brachten den Bravo undseine Gefährtin zu den Quais hinab. Hier nahm Ersterer hastigAbschied und verließ das Gefängniß.