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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Recht zu thun. Das ist vernünftig, wer kann daran zweifeln?"Der Bravo lachte bitter, als er diese Worte endete.

Nein, Carlo, jetzt scherzest du mit mir; Niemand ist überdie Gefahr, Unrecht zu thun, erhaben, als Derjenige, den dieHeiligen und die Jungfrau beschützen."

Solche Ansichten bekommt man, wenn man in einem Ge-fängniß lebt und Morgens und Abends betet! Nein neinalbernes Mädchen, cs gibt Menschen in der Welt, die, von Ge-schlecht zu Geschlecht, weise, ehrlich, tugendhaft, brav, unbestechlichgeboren werden, in jeder Hinsicht befugt, einzuschließen und einzu-kerkern alle Die, welche von niedriger, unedler Geburt sind. Wohast du deine Tage verlebt, thörichte Gelsomina, daß du dieseWahrheit nicht bei jedem Athemzuge fühltest? Sie ist ja klar,wie der Sonne Licht, und handgreiflich ja handgreiflich, wiediese Gefängnißmauern!"

Das furchtsame Mädchen bebte zurück und dachte einen Augen-blick daran, zu fliehen; denn nie hörte sie in ihren zahlreichen,vertrauliche» Unterhaltungen ein so bitteres Lachen, und nie sah sieeine so wilde Glut in ihres Gesellschafters Auge.

Fast möcht' ich glauben, dein Vater gebrauchte den rechtenNamen, Carlo," sagte sie, als sie sich fassend, einen vorwurfsvollenBlick auf seine noch immer aufgeregten Züge warf.

Eltern kommt es zu, ihren Kindern Namen zu geben;doch genug. Ich muß dich verlassen, gute Gelsomina, und ichverlasse dich mit schwerem Herzen."

Die arglose Gelsomina vergaß ihren Schreck. Sie wußte nicht,warum, aber wiewohl der vermeintliche Carlo sie nie verließ, ohnedaß es sie traurig machte, so fühlte sie doch, als er jetzt dieseWorte sprach, ihr Gcmüth mehr als sonst bedrückt.

Du hast dein Geschäft, und das darf nicht versäumt wer-den. Hast du in der letzten Zeit Glück gehabt mit deiner Gondel,Carlo?"