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„Ist dieß Alles?"
„Nein, ich habe noch andere Freuden. Vergangenes Jahr wareine Spinne hier, die ihr Gewebe an jenen Balken hängte; auchsie war mir eine Gesellschaft, die ich liebte. Willst du wohl Nach-sehen, mein Sohn, ob Hoffnung da ist, daß sie wieder komme?"
„Ich sehe sie nicht," stammelte der Bravo.
„Nun wohl, so habe ich doch die Hoffnung, daß sie wicder-kehrt. Die Fliegen kommen bald, dann sieht sie sich nach Beuteum. Sie könueu mich wegen falscher Anklage eiusperren, und michJahrelang von Weib und Tochter trennen, all' meine Freuden kön-nen sie mir doch nicht rauben."
Der greise Gefangene schwieg gedankenvoll. Eine kindischeUngeduld glühte in seinen Augen, und er blickte von der Spalte,der Gefährtin so vieler einsamer Jahre, auf seinen Sohn, alsfürchte er, seiner Freuden beraubt zu werden.
„Wohl! mögen sie mir auch diese nehmen," sagte er, und zogdie Decke über sein Haupt; „ich will ihnen dennoch nicht fluchen!"
„Vater!"
Der Gefangene antwortete nicht.
„Vater!"
„Jacopo!"
Jetzt war es der Bravo, welcher sprachlos dastand. Er wagteselbst nicht einmal, einen verstohlenen Blick auf die athemlos auf-merksame Gelsomina zu werfen, obgleich ihm das Herz vor Ver-langen schlug, ihre offenen Züge zu lesen.
„Hörst Lu mich, mein Sohn?" fuhr der Gefangene, seinHaupt aufdeckend, fort; „denkst du wirklich, daß sie das Herzhaben werden, die Spinne aus meiner Zelle zu jagen?"
„Sie werden dir diese Freude lassen, Vater; denn sie thutweder ihrer Macht, noch ihrem Ruhme Abbruch. So lauge derSenat seinen Fuß auf des Volkes Nacken und sich den Schein einesguten Namens erhalten kann, werden sie dir dieß nicht mißgönnen."