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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Haupt saut auf ihren Busen; sie schien ihre Gebete mit denen desVaters zu vereinigen. Als die stille, feierliche Handlung beendetwar, machte Jeder das gewöhnliche Zeichen des Kreuzes, und Ja-copo küßte die runzelige Hand des Gefangenen.

Hast du Hoffnung für mich?" fragte der Alte, nachdem diefromme, dankbare Pflicht ausgeübt war.Versprechen sie nochimmer, daß ich das Licht der Sonne Wiedersehen soll?"

Ja, sie versprechen alles Gute!"

Ich wollte, ihre Worte wären wahr! ich lebe seit langer Zeitvon dieser Hoffnung mich dünkt, ich bin schon länger als vierJahre in diesen Mauern?"

Jacopo schwieg, denn er wußte, daß sein Vater nur die Zeitnannte, seit welcher es ihm selbst erlaubt gewesen war, ihn zu sehen.

Ich baute auf die Hoffnung, daß der Doge sich seines altenDieners erinnern, und die Thüre meines Gefängnisses öffnen würde."

Immer noch schwieg Jacopo, denn der Doge, von dem derAndere sprach, war längst todt.

Und dennoch wär' ich dankbar, denn Maria und die Heiligenvergessen meiner nicht. Ich bin nicht ohne Freuden in meiner Ge-fangenschaft."

Gott sei gelobt!" rief der Bravo aus.Wie erleichterst dudir deinen Kummer, Vater?"

Sieh' hieher, mein Sohn," erwiederte der Alte, in dessenAuge fieberhafter Wahnsinn durchschimmerte, erzeugt durch die kürz-liche Veränderung seines Kerkers, und durch die, aus Mangel anUebnng wachsende Schwäche des Geistes;sichst du die Spaltein jenem Stückchen Holz? Sie öffnet sich nach und nach durch dieHitze, und seit ich hier wohne, ist die Spalte zweimal so lang ge-worden. Ich bilde mir manchmal ein, wenn sie den Knoten dorterreicht, dann werden die Herzen der Senatoren sich erweichen undmeine Thüre wird sich öffnen. Ich habe meine Freude d'ran, sie soJahr für Jahr einen Zoll nach dem anderen wachsen zu sehen."