Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

Ja, mein Vater."

So quält sie sich nicht mehr über ein Unglück, dem nicht ab-zuhelfen ist."

Der Bravo schien in dem theilnehmenden Auge der blassen undsprachlosen Gclsomina Trost zu suchen.

Sie hat aufgehört, sich zu quäleu, Vater," sagte er mit er-zwungener Ruhe.

Du hast deine Schwester immer mit männlicher Zärtlichkeitgeliebt, mein Sohn. Dein Herz ist gut, wie ich aus Erfahrungweiß. Hat Gott mir Kummer gegeben, so hat er mich dagegen ge-segnet in meinen Kindern."

Eine lange Pause erfolgte, während welcher der Vater überdie Vergangenheit nachzudcnken, und der Sohn sich über das Auf-Hören von Fragen, die seine Seele marterten,indem Diejenigen,von denen der Andere sprach, längst als Opfer des Familienun-glücks gefallen waren, zu freuen schien. Der Greis, denndas war der geschwächte Gefangene, wandte seine gedankenvollenBlicke auf deu noch immer kniecnden Bravo, und fuhr fort:

Es ist wenig Hoffnung, daß deine Schwester sich verheirathenwerde. Niemand mag sich gern mit den Geächteten verbinden."

Sie wünscht es nicht sie wünscht cs nicht sie ist glück-lich bei der Mutter."

Dieß Glück wenigstens wird ihnen die Republik nicht miß-gönnen. Ist gar keine Hoffnung, daß wir uns bald wieder sehen?"

Du warst meine Mutter sehen ja, diese Freude kommt endlich."

Es ist eine schwere, langweilige Zeit, seit ich keinen meinerBlutsverwandten, außer dich, gesehen habe. Kniee nieder, damit ichdich segne."

Jacopo, der sich unter seinen Seelenqualen erhoben hatte, beugtenun in Demuth sein Haupt, um den väterlichen Segen zu empfangen.Die Lippen des Alten bewegten sich, und seine Augen blickten zumHimmel, doch sprach sein Herz mehr als seine Zunge. Gelsomina's