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suchten, hatte man in der That kürzlich aus den feuchten Zellen,in denen er den Winter und Frühling verlebt, nach den glühendenStuben unter dem Dache gebracht.
Gelsomina ging immer voran, doch mit so traurigem Augeund so umwölktem Gesicht, daß man daraus hinlänglich den Antheilerkannte, den sie an den Leiden ihres Gefährten nahm; längererVerzug aber schien ihr weiter nicht nöthig. Sie hatte nun einenUmstand mitgctheilt, der ihr Herz schwer gedrückt hatte, und, wieAlle ihres sanften Charakters, die eine solche Pflicht gefürchtet,fühlte sic, nun sie sich ihrer entledigt, eine wesentliche Erleichterung.Sie erstiegen schweigend mehrere Treppen, öffneten und schloßenzahllose Thüren, und durchwanderten einige enge Korridors, ehe sieden Ort ihrer Bestimmung erreichten. Während Gelsomina denSchlüssel zur Thüre, vor der sie still standen, aus einem großenBunde hcraussuchte, athmete der Bravo in der heißen Luft desDaches, wie Jemand, der dem Ersticken nahe ist.
„Sie versprachen mir doch, daß dicß nie wieder der Fall seinsollte," sagte er, „doch Teufel wie ste, vergessen ihr Versprechen!"
„Carlo! — Du vergißst, daß dieß der Palast des Dogen ist!"lispelte das Mädchen, einen furchtsamen Blick hinter sich werfend.
„Ich vergesse nichts, was mit der Republik in Verbindungsteht! — Es steht Alles hier," an seine erhitzte Stirn schlagend,„und was nicht hier steht, ist in meinem Herzen!"
„Armer Carlo! das kann ja nicht immer währen — cs wirdja ein Ende nehmen."
„Du hast recht," antwortete der Bravo dumpf. „Daö Endeist näher als du denkst. Es thut nichts; drehe nur den Schlüsselum, damit wir hiueinkommen."
Zögernd weilte die Hand Gelsomina's an dem Schlosse; dochangeregt durch sein ungeduldiges Auge, öffnete ste, und sie traten ein.
„Vater!" rief der Bravo aus, und eilte zu einem aus derErde ausgebreiteten Strohlager.