Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

290

Ich habe es nicht so gesunden; aber freilich, gewöhnlich istes nicht."

Wir fanden gegenseitig so viel Vergnügen an einander, theureGesflna, daß wir übersahen, was uns erschrecken sollte."

Erschrecken, Carlo?"

Oder wenigstens mißtrauisch machen; denn diese listigen Se-natoren sind nie gnädig ohne Ursache. Doch ist cs jetzt zu spät,die Vergangenheit zurückzurufen, wenn wir es auch wollten; undin Allem, was dich betrifft, möchte ich auch nicht das Andenken aneinen einzigen Augenblick verlieren. Laß uns weiter gehen."

Die leichte Wolke verschwand von dem Gesicht der sanftenZuhörerin des Bravo; indcß bewegte stc sich nicht.

Wenige sehen die Welt wieder, die über die Brücke gehen,"fügte sie zitternd hinzu;und dennoch frägst du nicht einmal,warum wir hier sind, Carlo!"

In dem schnellen Blick, den der Bravo auf das ruhige Augedes unschuldigen Wesens, welches diese Frage gethan, warf, zeigtesich ein vorübergehender Schimmer von Mißtrauen. Allein er weiltekaum lange genug, um den Ausdruck männlicher Kräftigkeit, densie in seinen Blicken zu finden gewohnt war, zu ändern.

Wenn du mich denn durchaus neugierig haben willst," sagteer,warum bist du hieher gekommen, und vor Allem, nun duhier bist, warum bleibst du stehen?"

Die Jahreszeit ist vorgerückt, Carlo," antwortete sie kaumhörbar,und wir würden ihn vergebens unter den Zellen suchen."

Ich verstehe dich," sagte er,wir wollen weiter gehen."

Gelsomina zögerte, um nochmals sehnsüchtig in's Antlitz ihresGefährten zu blicken, da sie aber kein sichtliches Zeichen des Schmer-zes , den er fühlte, wahrnahm, ging sie weiter. Jacopo sprach mitetwas rauher Stimme; er war an Verstellung zu lange gewöhnt,als daß sie irgend ein Zeichen dessen, was in ihm vorging, hättebemerken können. Er wußte, wie sehr er dadurch dem gefühlvollen