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„Du suchtest mich wohl wie gewöhnlich, zur bestimmten Stunde,unter dem Wasserthor, Carlo?" fragte sie.
„Ich war" nicht in's Gcfängniß gekommen, hätt' ich dich dortgesunden; denn du weißt, ich mag wenig gesehen sein. Doch dafiel mir deine Mutter ein, daher fuhr ich de» Kanal herüber."
„Da irrtest du. Meine Mutter schläft viel, wie es schon seitvielen Monaten geschieht. — Du mußt bemerkt haben, daß wir nichtden gewöhnlichen Weg nach der Zelle genommen haben?"
„Das Hab' ich; allein da wir nicht gewohnt sind, in deinesVaters Zimmer zusammen zu kommen, wenn wir diesen Gang an-trcten, so dacht' ich. dieß sei der nothwendige Weg."
„Kennst du den Palast und das Gefängniß gut, Carlo?"
„Mehr als ich wünsche, gute Gclsomina; doch warum fragstdu so, und gerade in einem Augenblick, wo ich wohl anders beschäftigtsein möchte?"
Das furchtsame und sich selbst bewußte Mädchen schwieg. IhreWangen waren immer glanzlos, denn gleich der im Schatten erzo-genen Blume trugen sie die Farbe des zurückgezogenen Lebens; dochbei dieser Frage wurden sie bleich. Bekannt mit den natürlichenRegungen des gefühlvollen Geschöpfs an seiner Seite, studirte derBravo ihre ausdrucksvollen Gesichtszüge mit durchdringendem Auge.Dann trat er schnell an ein Fenster, sah hinaus, und sein Blick fielaus einen engen, dunkeln Kanal. Nachdem er die Galerie durch-schritten, blickte er wieder hinunter, und sah dieselbe düstere Wasser-passage, die, zwischen den beiden Mauern zweier massiven Gebäude,nach dem Quai und dem Hasen hinsührte.
„Gelsomina!" ries er, vor dem Anblick zurückbebend, aus, „dießist ja die ganze Seuszerbrücke!"
„Sie ist's, Carlo; bist du je auf ihr herüber gegangen?"
„Nein; auch begreife ich nicht, warum ich es jetzt thue. Langeschon dachte ich daran, ob es nicht vielleicht einmal mein Schicksal