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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Du bist eine vortreffliche Tochter, gute Gessina, und möchtestAndere eben so tugendhaft machen, als du selbst bist. Hastdu diese Besuche erwiedert?"

Nie. Mein Vater untersagte es; denn sie sind Weinhändler,und nehmen die schwelgenden Gondeliere auf. Aber Nnnina istnicht zu tadeln wegen des Gewerbes ihrer Eltern."

Ohne Zweifel und das Packet? war es lange in deinerVerwahrung?"

Einen Monat; Annina ließ es mir hier bei ihrem letzten Besuch,denn sie mußte eilig nach dem Lido. Aber warum diese Fragen?Dir gefällt meine Cousine nicht, weil sic ausgelassen ist und muffigeGespräche liebt, indcß hat sie, wie ich denke, ein gutes Herz.Hörtest du, wie sie von dem Bravo Jacopo, und von dem letztenMorde sprach?"

Ich hörte es."

Du selbst hättest nicht mehr Abscheu über des Ungeheuers Ver-brechen zeigen können. Nein, Annina ist wohl unbesonnen, und könnteweniger weltlich gesinnt sein; allein sie hat, wie wir Alle, eine hei-lige Scheu vor der Sünde. Soll ich dich nach der Zelle führen?"

Ja, geh' voran."

Dein redlicher Sinn empört sich über die kalte Niederträch-tigkeit des Meuchelmörders. Ich habe viel von seinen Mordthatcngehört, und von der Weise, wie Die droben mit ihm Nachsichthabe». Man sagt allgemein, daß seine List die ihrige übertreffe,und daß die Beamten nur auf Beweise warten, um keine Un-rechtigkeit zu begehen."

Meinst du, daß der Senat so zartfühlend ist?" fragte derBravo rauh, machte aber zugleich ein Zeichen zum fortgehen.

Das Mädchen blickte traurig, wie Jemand, der das Gewichtdieser Frage begriff; dann drehte sie sich um, öffnete eine geheimeThür, und brachte eine kleine Schachtel zum Vorschein.

Dieß ist der Schlüssel, Carlo," sagte sie, ihm einen in einem