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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
285
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Packet durch irgend einen Zufall zu sehen bekommen, so würde esdir viele Unruhe verursacht haben."

Ich fürchte deinen Bruder nicht, noch sonst Jemand," sagtedie Tochter des Gesangenwärters mit der Festigkeit der Unschuld;dafür, daß ich gefällig gegen eine Verwandte war, konnte er mirdoch nichts Böses thun."

Du hast recht; allein mir hätte er vielen Verdruß verursachenkönnen. Heilige Maria! wenn du wüßtest, welchen Kummer dieserunbedachtsame und mißleitete Junge seiner Familie macht! Beiall' Dem ist er mein Bruder, und du magst dir das Ucbrigc hinzu-dcnken. Leb' wohl, gute Gesfina; ich hoffe, dein Vater wird direndlich einmal erlauben, die zu besuchen, die dich so sehr lieben."

Leb' wohl, Annina; du weißt, daß ich gern käme, alleinich verlasse ja fast meiner Mutter Bett nicht."

Die listige Tochter des Weinhändlers gab ihrer schuld- undarglosen Verwandtin einen Kuß, ließ sich die Thür öffnen und ging.

Carlo," rief Gesfina mit sanfter Stimme,du kannst nunheraus kommen, jetzt haben wir keinen Besuch weiter zu fürchten."

Der Bravo erschien, doch mit noch blässeren Wangen als ge-wöhnlich. Er blickte das liebliche Wesen traurig an, und die ver-unglückte Anstrengung, ihr unschuldiges Lächeln zu erwiedern, gabseinen Gestchtszügen einen gespenstischen Ausdruck.

Annina hat dich wohl ermüdet mit ihrem müssigen Geschwätzvon der Regatta und von Mordthaten auf den Kanälen. Duwirst sie wegen der Art, wie sie von Giuseppe sprach, nicht zu hartbeurtheilen, er verdient es, und wohl noch mehr. Doch ich kennedeine Ungeduld, und will dich nicht noch mehr ermüden."

Genug, Gesfina, dieß Mädchen ist deine Cousine?"

Sagt' ich es dir ja schon; unsere Mütter sind Schwestern."

Und ist sie oft hier?"

Gewiß nicht so oft, als sie wünschte, denn ihre Tante hat ihrZimmer seit vielen, vielen Monaten nicht verlassen."