„Ich sah die Staatsgalcere, mit ihren Reihen von Patricicrnauf dem Verdeck, nach dem Lido segeln; sonst wenig."
„Schad't nichts. Dn sollst einen eben so guten Begriff von derHerrlichkeit haben, als wenn du des Dogen Rolle selbst gespielt hättest.Erst kamen die Gardisten, in ihren antiken Anzügen —"
„Das erinnere ich mich, oft gesehen zu haben; dich Schauspielkommt alle Jahre vor."
„Da hast du recht; doch nie sah Venedig eine so lebhafteRegatta! Du weißt, den ersten Versuch machen immer die viel-ruderigen Gondeln, von den geschicktesten Gondelieren geführt. Luigiwar auch dabei, und obgleich er den Preis nicht gewann, so ver-diente er ihn doch durch die Art, wie er sein Boot regierte. Dukennst doch Luigi?"
„Ich kenne kaum einen Menschen in Venedig, Annina, denndie lange Krankheit meiner Mutter und das unglückliche Amtmeines Vaters halten mich immer daheim, wenn Andere aus denKanälen sind."
„Das ist wahr. Um Bekanntschaften zu machen, bist du nichtgut gestellt. Doch Luigi steht weder an Geschicklichkeit, noch an Rufirgend einem unter den Gondelieren nach, und er ist bei weitem derfröhlichste Schelm von Allen, die je den Fuß auf den Lido gesetzt."
„Er war also wohl der Vorderste im großen Wettlauf?"
„Eigentlich hätte er es sein sollen, aber die Ungeschicklichkeitseiner Leute und einige Unredlichkeiten beim Durchkreuzen brachtenihn in die zweite Reihe. Es war ein Anblick, werth, gesehen zuwerden! so viele noble Seeleute, kämpfend, um sich einen Namenauf den Kanälen zu erringen. Santa Maria! ich wünschte, duhättest es sehen können, Mädchen!"
„Ich hätte mich eben nicht gefreut, euren überwundenen Freundzu sehen."
„Man muß mit Dem zufrieden sein, was das Schicksal bietet.Doch das Wunderbarste von Allem war, daß, obgleich Luigi und