Venedig gewesen, so hält' ich doch nichts weiter gefürchtet, als er-kannt zu werden."
„Es war aber nur meine Cousine Annina— Annina, die dunie gesehen — und ich habe ja keine Vetter Pietro, Michele undRoberto. Wir sind unserer nicht viele. Annina hat einen Bruder,der kommt aber nie her. Es ist in der That schon lange her, daßsie ihrem Geschäft so viel Zeit entzieht, um diesen traurigen Ortzu besuchen. Wenige Geschwisterkinder sehen sich so selten, wie An-nina und ich."
„Du bist ein gutes Mädchen, Gcssina, bist immer bei deinerMutter zu finden. Hast du nichts Besonderes, was mir wichtig wäre?"
Wieder senkten sich die Augen Gelsomina's, oder Gessina's, wiesie gewöhnlich genannt ward; indeß erhob sie selbige wieder, bevorer es gewahrte, und fuhr rasch in ihrem Gespräch fort.
„Ich fürchte, Annina kehrt wieder, sonst wollte ich gleich mitdir gehen."
„Ist denn deine Cousine noch hier?" fragte der Bravo un-ruhig. „Du weißt, ich möchte nicht gern gesehen werden."
„Fürchte nichts. Sie kann nicht herein kommen, ohne dieseKlingel zu berühren, denn sic ist oben bei meiner bettlägerigenMutter. Du kannst, wie gewöhnlich, in's innere Zimmer gehen,wenn sie kommt, und ihre müssigen Reden mit anhören, wenn duwillst— oder — doch wir haben keine Zeit — denn Annina kommtselten, und ich weiß nicht warum, aber sie scheint die Kranken-zimmer nicht zu lieben, indem sie immer nur wenige Minuten beiihrer Tante verweilt."
„Du wolltest wohl sagen: oder ich möchte meinen Gang ab-thun, Gesfina?" '
„Dgs wollt' ich, Carlo — aber ich bin sicher, daß uns meineungeduldige Cousine znrückruscn würde."
„Ich kann warten; ich bin geduldig, wenn ich bei dir bin,theure Gesfina."