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Der Gondclicr lüftete die Maske, die nicht blos sein Gesichtverhüllt, sondern auch seine Sprache verändert hatte.
„Ich bin es, Gessina," sagte er, sich ihres vertraulichenNamens bedienend.
Die Riegel rasselten und die Thür ward schnell geöffnet.
„Das ist wunderbar, daß ich dich nicht erkannte, Carlo!" sagtedas Frauenzimmer hastig und mit Einfalt; „doch du verkleidest dichseit Kurzem so vielfältig, und ahmst so oft fremde Stimmen nach,daß deine eigene Mutter ihren Ohren nicht getraut hätte."
Der Gondelier schwieg ein Weilchen, um sich erst zu über-zeugen, daß sic allein wären; dann legte er die Maske ab, unddie Züge des Bravo erschienen.
„Du weißt, wie nöthig die Vorsicht ist, und wirst mich deßhalbnicht verkennen."
„Das nicht, Carlo — aber deine Stimme ist mir so bekannt, undda finde ich es wunderbar, daß du wie ein Fremder sprechen kannst."
„Hast du Etwas für mich?"
Die holde Jungfrau — denn sic war beides — zauderte, ihmzu antworten.
„Hast du nichts Neues, Gelsomina?" wiederholte der Bravo,ihre unschuldigen Züge eisrig musternd.
„Es ist gut,'daß du nicht früher in's Gefängniß gekommen.Ich hatte eben Besuch. Du hätt'st dich wohl nicht gern sehenlassen, Carlo?"
„Du weißt, daß ich gute Gründe habe, maskirt zu kommen.Vielleicht hätte mir dein Besuch gefallen, oder auch mißfallen, wieer nun eben gewesen wäre."
„Nein, da bist du unrecht," erwiederte das Mädchen hastig,„es war Niemand hier, als meine Cousine Annina."
„Denkst du, daß ich eifersüchtig bin?" sagte der Bravo, mitliebendem Lächeln ihre Hand fassend. „War' cs dein Vetter Pietro,Michele oder Roberto, oder irgend ein anderer Jüngling aus