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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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werden. Ich bin Herr ans meinen Herrschaften, und bin ich erstmit dieser scheinheiligen Republik auseinander, dann will ich fürdeine Sicherheit und für dein Glück sorgen. In Hinstcht deinesGewissens beruhige dich: ich habe Einfluß beim heiligen Stuhl,und du sollst der Absolution nicht ermangeln."

Die Dankbarkeit des Bravo war lebhaft, obgleich sie sich mehrin Gefühlen als Worten aussprach. Er küßte Don Eamillo'sHand, doch mit einem Ansdruck von Selbstachtung, die von seinemmännlichen Charakter unzertrennlich war.

Bei einem Negicrnngsspstem, wie das venctianische," fuhr dernachdenkcnde Herzog fort,kann Niemand Herr seiner Handlungenbleiben. Solch' ein Gewebe von Hinterlist ist stärker als der Wille.Es gibt seinen widerrechtlichenHandlnnge» tausend trügerischeFormen,und rcqnirirt das Vermögen eines Jeden, unter dem Vorwände einesOpfers für das allgemeine Beste. Ost glauben wir bloße Theil-nchmer irgend einer zu entschuldigenden Staats-Jntrigue zu sein,wenn wir, in Wahrheit, tief in Sünde verflochten sind. Die Lügeist die Mutter aller Verbrechen, und nie hat sie eine zahlreichereNachkommenschaft, als wenn sie selbst ihre» Ursprung vom Staateempfängt. Ich fürchte, daß ich selbst dieser verrätherischen MachtOpfer gebracht habe, die ich in Vergessenheit vergraben wünschte."

Obgleich diese Worte Don Eamillo's mehr ein Selbstgespräch,als eine an seinen Gefährten gerichtete Rede waren, so ließ sich dochdeutlich an der Reihenfolge seiner Gedanken sehen, daß Jacopo'sErzählung unangenehme Betrachtungen in ihm anregten über dieWeise, wie er seine eigenen Ansprüche beim Senat geltend zu machengesucht. Vielleicht fühlte er sich auch gedrungen, sich vor einemManne zu entschuldigen, der, wenn gleich viel niedrigeren Stan-des, dennoch einen kompetenten Richter seiner Handlungen abgebenkonnte, und der eben in den stärksten Ausdrücken stink eigene un-glückliche Dicnstwilligkeit bei den Kunstgriffen dieses unverantwort-lichen, verführerischen Staatsrath verwünscht hatte.

Der Bravo.

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