Den tiefen Tönen des Bravo folgte jetzt das dumpfe Spülen desadriatischcn Meeres.
„Das übertrifft allen Glauben!" rief Dou Camillo nach einerlangen Pause aus, die blos durch den Zu- und Abfluß der rau-schenden Wogen unterbrochen ward.
„Signor, so wahr mir die heilige Maria gütig sei, cs ist nurdie Wahrheit!"
„Ich zweifle nicht daran, Jacopo, armer Jacopo! eine so vor-gctragene Erzählung muß ich glauben! Du bist in der That dasOpfer ihrer höllischen Falschheit geworden, und wohl magst dusagen, die Last war nicht mehr zu ertragen. — Was ist nun deineAbsicht?"
„Ich diene ihnen nicht länger, Don Camillo — ich erwartenur noch den letzten feierlichen Anstritt, der nun gewiß ist, und dannverlasse ich diese Stadt des Betruges, und suche mein Glück in an-dern Regionen. Sie haben meine Jugend gestört und meinen Namengebrandmarkt. — Gott lindert vielleicht einst meinen Schmerz!"
/Mache dir keine unnöthigeu Vorwürfe, Jacopo, denn auchder Glücklichste und Reichste ist der Versuchung erreichbar. Duweißt, daß selbst mein Name und Rang mich nicht ganz geschützthaben gegen ihre Arglist."
„Ich weiß, daß sie fähig sind, Engel zu täuschen, Signor!Ihre List wird blos durch ihre Mittel übcrtroffcn, und ihre An-sprüche auf Tugend durch ihre Gleichgültigkeit, sie auszuüben."
„Du hast recht, Jacopo: nie ist die Wahrheit in größererGefahr, als wenn ganze Gesellschaften sich dem betrügerischenAnstrich von WohlauMndigkeit hingebeu, und ohne Wahrheit gibtes keine Tugend. Das kommt davon, wenn leerer Schein an dieStelle des redlichen Handelns tritt, wenn der Altar zu weltlichenZwecken gemißbraucht wird, wenn sich die Gewalt in den Händeneiner eigennützigen Kaste befindet, die keinem verantwortlich ist,als sich selber! Jacopo — armer Jacopo! Du sollst mein Diener