würde den Elenden nicht so kalt mischen. Diese Nacht wäre meineletzte gewesen, hätten Sic mich ohne Erbarmen verstoßen. — Doch,Sic wollen meine Geschichte anhören, Signor — Sie werden dieBeichte eines Bravo nicht verschmähen?"
„Ich versprach es dir. Sei knrz, denn eben jetzt habe ichselbst großen Kummer."
„Signor, ich kenne nicht den ganzen Umsang des Ihnen zuge-sügtcn Unrechts, doch die fromme Handlung, der Sie sich unterziehenwollen, wird der Wiedergutmachung jenes Unrechts gewiß keinenEintrag thnn."
Jacopo bemühte sich, Herr seiner Empfindungen zu werden, undbegann seine Erzählung.
Der Verfolg dieser Geschichte macht es überflüssig, daß wirdiesen außergewöhnlichen Mann bei der Mitthcilung seiner Geheim-nisse an Don Camillo begleiten. Es ist für unfern Zweck hinreichend,zu bemerken, daß, je weiter er vorrückte in seiner Erzählung, jemehr wuchs das Interesse des jungen Calabresen, und je mehrnäherte er sich ihm. Der Herzog von St. Agata wagte kaumzu athmen, während Jacopo ihm mit den energischen Worten undGefühlen, die dem italienischen Charakter so eigen sind, seinen ge-heimen Kummer und die Scenen, in denen er als handelnde Personansgetreten, schilderte. Er war noch lange nicht am Ende seinerGeschichte, so hatte Don Camillo schon der eigenen Sorgen ver-gessen; jede Spur von Widerwillen verschwand und machte einemunwiderstehlichen Mitleid Platz. Knrz, die Beredsamkeit des Er-zählers und das Interesse der Erzählung bemächtigte sich des gan-zen Gefühls des Zuhörers, gleichwie die Improvisatoren jenes Lan-des sich der Leidenschaften der sie bewundernden Menge zu bemei-stern wissen.
Während Jacopo's Erzählung hatte er und sein erstaunter Ge-fährte die Gränzen des geächteten Bcgräbnißplatzes überschritten,und als Ersterer schwieg, standen sie am äußersten Strand des Lido.