du würdest hier auf den Lagunen einen Verbrecher finden, der sichden Zorn des heiligen Marcus zugezogen?"
„So ist es!"
„Es ist nicht leicht, zu erkennen, wann St. Marcus guterLaune ist, und wann nicht," fuhr Antonio, gleichgültig mit feinerAngelspielend, fort; „denselben Mann, den er jetzt sucht, hat erlange geschützt; ja, selbst in des Dogen Gegenwart. Der Senathat freilich seine Gründe, die dem Einfältigen unerreichbar find;doch für des armen Jünglings Seele war' es besser, und für denSenat schicklicher gewesen, hätte man von Anfang an einen miß-billigenden Blick auf seine Thaten gerichtet."
„Du sprichst von einem Anderen! — Du bist also nicht derVerbrecher, den sie suchen?"
„Ich bin ein Sünder, wie alle vom Weibe Geborene, ehrwür-diger Carmeliter; allein meine Hand hat nie eine andere Waffe ge-führt, als das gute Schwert, das die Ungläubigen schlug. VorKurzem war Jemand hier, der zu meinem Leidwesen dieß nicht vonsich sagen kann."
„Und er ist fort?"
„Vater, Sie haben Augen, und können sich die Frage selbstbeantworten; er ist fort, obgleich er nicht ferne ist, doch ist er,Dank sei dem heiligen Marcus, außer dem Bereich der schnellstenGondel Venedigs."
Der Carmeliter neigte sein Haupt auf die Stelle hin, wo ersaß,und seine Lippen bewegten sich,entweder zum Gebet oder zum Dank.
„Trauern Sie, Vater, daß ein Sünder entkam?"
„Ich freue mich, mein Sohn, daß der bittere Kelch mir vor-übcrgegangen, allein ich traure auch, daß eine Seele so entartet ist,um dessen zu bedürfen. Wir wollen die Diener der Republik rufen,um ihnen zu sagen, daß ihre Botschaft vergebens gewesen."
„ Sei nicht so eilig, guter Vater. Die Nacht ist mild, undjene Micthlinge schlafen auf ihren Rudern, wie die Möve aus den