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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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gestrige Fest zog manchen der Unfern ab von seiner Arbeit. DerPatricier muß essen, und der Arme arbeiten, sonst stürben Beide."

Langsam setzte sich der Bravo und warf besorgliche Blicke aufseinen Gefährten.

Bist du schon lange hier, Antonio?"

Seit einer Stunde. Als sie uns aus dem Palast entließen,da sagte ich dir von meinem Bedürfniß. Im Allgemeinen gibt cskeinen sicherem Fleck in den Lagunen als diesen, und dennoch angeleich schon lange vergebens. Die Versuchung des Hungers ist groß,doch muß sie ertragen werden wie alle andern. Ich habe meinenSchutzpatron dreimal angerufen, und früher oder später wird ergewiß meiner Noth abhelsen. Du bist ja bekannt mit den Sittendieser maskirten Edlen, Jacopo, glaubst du wohl, daß sie Vernunftannehmen werden? Ich denke doch nicht, daß ich aus Mangel anErziehung der Sache geschadet habe, ich sprach offen und ehrlich,wie zu Vätern und Männern mit Herzen."

Als Senatoren haben sie keine Herzen. Du begreifst dieDoppelzüngigkeit dieser Patricier nicht, Antonio. In der Fröhlich-keit ihrer Paläste, und unter den Gefährten ihrer Vergnügungenspricht Niemand schöner über Menschlichkeit und Gerechtigkeit, ja,selbst über Gott, als sie; doch in ihren Sitzungen, wo sie überdie sogenannten Angelegenheiten des St. Marcus berathschlagen,da gibt es keinen Felsen auf der kältesten Spitze jener Alpen,der weniger menschlich, und keinen Wolf in den Thälern, der mehrherzlos wäre!"

Deine Worte sind stark, Jacopo ich möchte selbst gegen Dienicht ungerecht sein, die mir Uebels gethan. Die Senatoren findMenschen, und Gott gab Allen gleiche Gefühle und gleiche Naturen."

Dann wird die Gabe gemißbraucht. Du hast den Mangeldeines täglichen Gehilfen gefühlt, Fischer, und hast getrauert überdein Kind; dir wird es leicht, eines Andern Gram mitzuempfinden;allein die Senatoren kennen keine Leiden. Ihre Kinder werden