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Fünfzehntes Kapitel.
Das Schiff streicht durch die Wellen,
Fidolin;
Von Ost die Segel schwellen,
Fibolin;
Verschwunden ist der Strand in der Ferne,
O! wie gerne wär' ich in der Hennath Land.Rosabella, Fidolin.
§er Mond stand hoch; flutend fielen seine Silberstrahlen aufVenedigs schwellende Kuppeln und massive Dächer; den Rand derStadt begränzte die glanzende Bai. Das herrliche Schauspiel derNatur verdunkelte alle Pracht menschlicher Herrlichkeit; denn, wiereich auch die Königin des adriatischen Meeres war in ihren Kunst-werken, in der Erhabenheit ihrer öffentlichen Denkmäler, in derZahl und dem Glanz ihrer Paläste und allem andern, was Genieund Ehrgeiz der Menschen hervorgebracht, so nahm sie in dieser Stundedoch nur den zweiten Rang des Ruhmes und der Schönheit ein.
Hoch am Firmamente funkelten, gleich Edelsteinen, unendliche,erhabene Welten; ruhig wie das Gewölbe des Himmels, welcheses zurückstrahlte, und leuchtend vom erborgten Lichte, breitete sichunten, endlos dem Äuge, das adriatische Meer aus. Hier und dazeigte sich zwichcn den Lagunen ein Eiland, des Meeres tausend-jähriges, geduldiges Werk, mit Gruppen klösterlicher Gebäude oderdemüthiger Fischer-Wohnungen malerisch besetzt. Kein Rnderschlag,kein Gesang, kein Gelächter, kein Flattern der Segel, kein Scherzdes Matrosen störte die Stille der Nacht. Alles Nahe war in mit-ternächtliche Anmuth gehüllt, und alles Ferne sprach den feierlichenFrieden der Natur aus. Die Stadt und die Lagunen, der Golfund die träumenden Alpen, die unendliche Ebene der Lombardei unddas blaue Gewölbe des Himmels, Alles lag in allgemeiner, großerRuhe da. Plötzlich zeigte sich eine Gondel. Aus den Kanälen derStadt trat sie hervor und glitt leise, wie das ideale Schweben eines