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Geistes, über den weiten Busen der Bai. Ein geübter, nervigerArm leitete ihre schnellen Bewegungen.
So schnell war der Lauf des Bootes, daß man daraus ausdie Eile des einsamen Individuums, welches darin saß, schließenkonnte. Seine Richtung nahm es nach dem adriatischcn Meere zu,zwischen einem der südlicheren Ausgänge der Bai und der bekanntenInsel St. Giorgio. Wohl eine halbe Stunde lang ruderte der Gon-dclier unermüdlich fort, dann und wann besorgliche Blicke hinter sichwerfend, als fürchte er Verfolgung, und eben so oft vor sich sehend, ^als wünsche er sehnlich, einen bis jetzt noch unsichtbaren Ort zu er-reichen. Als indeß eine weite Wasserfläche sich zwischen ihm undder Stadt befand, ließ er sein Ruder ruhen, und schien mit großerAnstrengung seines Auges Etwas entdecken zu wollen.
Ein kleiner dunkler Fleck zeigte sich näher nach der See zu.Wiederum schlug das Ruder des Gondclführers das Element hintersich, und das Boot glitt fort; seine Unentschiedenheit hatte nunoffenbar ein Ende. Bald zitterten die Strahlen des Mondes überden benannten dunkeln Punkt, welcher jetzt die Gestalt und Größeeines vor Anker liegenden Bootes annahm. Abermals hielt der Gon-dclier mit Rudern ein, und blickte scharf auf den noch unentschie-denen Gegenstand, gleichsam der Kraft seines Gesichts durch seineander» Kräfte zu Hilfe kommend. In diesem Augenblick tönte sanf-ter Gesang von den Lagunen. Die Stimme schien schwach, ja zit-ternd, doch besaß sie die Anmuth und Richtigkeit der Ausführung,die den Venetianern so eigenthümlich ist. Der einsame Mann, imentfernten Boote, sang ein Fischerlicd. Die Melodie war sanft, kla-gend und melancholisch; ein Jeder, der durch die Kanäle ruderte,sang sie, und unseres Hörers Ohr kannte sie wohl. Er wartete, bisder letzte Klang des Verses verhallt war, dann antwortete er miteiner zweiten Strophe. Die gegenseitigen Partien wurden auf dieseWeise ausgeführt, bis die beiden Sänger in einem Vers, alsSchlußchor, ihre Stimmen vereinigten.