kunft zu lassen. Alle sahen ihrer morgenden Trennung entgegen,obgleich Keiner den Grund dieses Plötzlichen Wechsels in der Politikdes Staates durchschauen konnte. Fragen war hier vergebens, dennder Schlag kam sichtlich vom geheimen Rath, dessen Motive eben-sowenig zu ergründen, als seine Beschlüsse vorherzusehen waren.Der Mönch erhob seine Hand zum schweigenden Segen gegen seinegeistliche Pflegebefohlene, und unfähig, selbst in Gegenwart desFremden ihren Schmerz zurück zu halten, sanken Donna Florindaund Violetta weinend einander in die Arme.
Während dessen zögerte der Abgeordnete mit seinem Fortgehen,gleich Einem, der mit einem Entschlüsse noch nicht ganz einig ist.Aufmerksam betrachtete er den unbefangenen Karmeliter, und zwaraus eine Weise, welche die Gewohnheit anzeigte, lange vorher zudenken, ehe er entschied.
„Ehrwürdiger Vater," sagte er, „darf ich wohl um einenAugenblick Eurer Zeit bitten, in Betreff des Seelenheils eines armenSünders?" Obgleich erstaunt, konnte doch der Mönch solchen Auf-ruf nicht unbeachtet lassen. Einer Bewegung des Beamten Folgeleistend, ging er mit ihm aus dem Zimmer, und blieb, währenddieser die prächtigen Zimmer durchschritt und zur Gondel hinabsticg,an seiner Seite. „Der Senat muß Sie sehr ehren, heiliger Mönch,"bemerkte Letzterer während ihres Ganges, „da er Ihnen eine so ver-trauliche Stellung zu einer Dame einräumt, für deren Schicksalder Staat sich so sehr interessirt?"
„Ich nehnsi es dafür an mein Sohn. Ein Leben voll Friedenund Gebet sollte mir wohl Freunde erworben haben."
„ Männer, wie Sic, mein Vater, verdienen das begehrte Ver-trauen. Sind sie schon lange in Venedig?"
„Seit dem letzten Konklave. Ich kam alsBcichtvater des ver-storbenen Ministers von Florenz nach der Republik."
„Ein ehrenvoller Posten. So sind Sie denn lange genug bei