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„Fräulein, Ihr Scharfsinn hat schnell die Auflösung gefunden.Dem erlauchten Senator find seine thcuren, wohlerfüllten Pflichtenabgenommen. Morgen übernehmen andere Vormünder die Sorgefür Ihre schätzbare Person und werden in dieser ehrenvollen Pflichtverharren, bis die Weisheit des Senats eine solche Verbindung fürSie wird erwählt haben, die Ihres hohen Namens und der Eigen-schaften, die einen Thron zu zieren verdienten, würdig sein wird."
„Soll ich getrennt werden von Denen, die ich liebe?" fragteViolctta ungestüm.
„Verlassen Sie sich auf die Weisheit des Senats. Ich kenneseinen Willen hinsichts Derer, die so lange mit ihnen gelebt, nicht,doch kann kein Grund vorhanden sein, seine Klugheit und sein Zart-gefühl zu bezweifeln. Ich habe blos hinznzufügen, daß, bis dievon nun an mit dem ehrenvollen Amte Ihrer Beschützer beauftragtenPersonen ankommen, cs wohl gethan sein wird, dieselbe, wie bis-her gewohnte, sittsame Zurückgezogenheit bei Empfang von Besuchen-den zu beobachten, und Ihre Thür, Fräulein, vor Signor Gradenigo,wie vor allen andern seines Geschlechts, verschlossen zu halten."
„Nicht einmal danken soll ich ihm für seine Sorgfalt?"
„Er fühlt sich durch die Dankbarkeck desSenats zehnfach belohnt."
„Es wäre freundlich gewesen, meine Gefühle für Signor Gra-denigo in Worten ausznsprechen; doch, was man der Zunge versagt,wird wohl der Feder erlaubt sein."
„Die Zurückhaltung, die den Verhältnissen einer so Begünstigtenzukommt, ist ohne Einschränkung. St. Marcus ist eifersüchtig, wenner liebt. Und nun, da mein Auftrag beendet ist, beurlaube ich michergebenst, mich sehr geschmeichelt fühlend, daß man mich solcherehrenvollen Pflicht würdig genug achtete."
Als der Abgesandte zu sprechen aufhvrte, und Violctta seinenAbschied erwiedert hatte, wandte sie ihre ängstlichen Blicke ans diebekümmerten Züge ihrer Gefährtin. Die zweideutigen Worte solcherBotschafter waren zu wohl bekannt, um viele Hoffnung für die Zu-