Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

209

Theure, doch dir steht cs schlecht an. Eine Jungfrau von Standemuß der Entscheidung ihres natürlichen Vormunds harren."

Auch wenn die Wahl auf Giacomo Gradenigo fällt?"

Darauf wird der Senat nicht achten. Die Kunstgriffe desVaters kennst du lange; und du mußt aus der Geheimhaltung seinerWerbung ersehen, daß er dessen Entscheidung nicht traut. DerStaat wird Sorge tragen, dich deinen Hoffnungen gemäß zu ver-mählen. Viele werben um dich, und die Wächter deines Vermö-gens warten nur Vorschläge ab, die deiner Geburt entsprechen."

Meiner Geburt entsprechen?"

Deinen Jahren, deinem Stande, deinen Erwartungen undCharakter."

Soll ich Don Camillo als unter meinem Stande betrachten?"

Hier trat der Mönch auf's Neue dazwischen.

Diese Zusammenkunft muß enden," sagte er.Die durchIhre unbesonnene Musik auf uns gelenkten Blicke sind nun aufandere Gegenstände gerichtet, Signor, und Sie müssen Ihr Wortbrechen oder gehen."

Allein, Vater?"

Soll etwa Donna Violetta ihr Vaterhaus verlassen wie einein Ungnade gefallene Dienerin?"

Gewiß, Signor Monforte, Sie können vernünftigerweise vondieser Unterhaltung nicht mehr erwartet haben, als die Hoffnungeiner künftigen Bestimmung über Ihre Werbung ein Ver-sprechen"

Und dieß Versprechen?"

Violetta wandte den Blick von ihrer Gouvernante auf ihrenGeliebten, von diesem auf den Mönch und dann zur Erde.

Ist dein, Camillo."

Ein Ausruf entfuhr dem Mönch und gleichzeitig der Gouvernante.

Verzeih' mir, vortreffliche Freundin," fuhr die erröthende,aber entschiedene Violetta fort.Wenn ich Don Camillo auf eineDer Bravo. 14