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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Florinde trat vom Balkon und näherte sich ihrem Zögling. KeineErklärung, keine hörbare noch sichtbare Mittheilung erfolgte, Vio-letta warf sich in die Arme ihrer erfahreneren Freundin und ver-barg ihr Gesicht in deren Busen. Jetzt hörte die Musik plötzlichaus und ein bloßes Plätschern der Ruder ließ sich hören.

Er ist fort!" rief die jugendliche Gefeierte der Serenade,deren Gefühle, trotz ihrer Verlegenheit, nichts von ihrer Schärfeverloren.Die Gondeln schwimmen davon und wir haben nichteinmal den gewöhnlichen Dank abgestattet für ihre Artigkeit."

Es bedarf dessen nicht oder vielmehr er würde die Gefahr,die so schon groß genug ist, nur vermehrt haben. Gedenke deinerhohen Bestimmung, mein Kind, und laß sie zieh'n."

Und dennoch, mein' ich, sollte ein Mädchen meines Rangeses an Höflichkeit nicht fehlen lassen. Vielleicht meint das Kompli-ment nichts, als die gewöhnliche Sitte, und wir hätten sie ohneDank nicht fortlassen sollen."

Bleib drinnen, Kind. Ich will auf die Bewegung der Boote auf-paffen, denn es geht über weibliche Neugier, ihrer gar nicht zu achten."

Dank, theure Florinde! eile, che sie in den andern Kanaleinlaufcn und du sie aus dem Gesicht verlierst."

Schnell war die Gouvernante auf dem Balkon. Aber wie eiligsie auch war, die Dunkelheit unten zu durchspähcn, erfolgte nocheiliger die schnelle Frage, was sie sähe.

Beide Gondeln sind fort," war die Antwort.Die mit denMusikanten tritt schon in den großen Kanal; doch die des Kavaliersist unbegreiflicherweise ganz verschwunden!"

Nein, nein, steh nur wieder zu; so schnell kann er uns nichtverlassen."

Ich habe nicht die rechte Richtung beachtet. Dort ist seineGondel, nahe der Brücke unseres Kanals."

Und der Cavalier? Er wartet auf irgend ein Zeichen derHöflichkeit; es ziemt nicht, ihm dieß vorzucnthaltcn."